Nach einer kurzen Vorstellungsrunde von uns angehenden Profilern stellte sich dann unser Interviewpartner Johnny Matrix vor:

Mein Name ist Johnny Matrix. Ich heiße wirklich so. Seit einigen Jahren ist das jetzt offiziell. Vor 6 oder 7 Jahren habe ich dies ändern lassen. Seit 2002 bin ich beruflich Musikproduzent, Komponist und Musikverleger. Also seit fast 18 Jahren. Wohnhaft bin ich in Niederösterreich, mit meiner Familie, in der Nähe von Baden bei Wien. Es ist recht schön, ruhig und auch nicht so weit vom Flughafen entfernt, wenn jemand kommt. Jetzt weniger, leider (Anmerkung: auf Grund von Corona).
Wie gesagt, ich mache das seit 18 Jahren und ich schreibe und produziere Musik, für internationale Künstler, für TV-Sendungen, für Werbung, TV-Werbung, für internationale Unternehmen, die Branding-Musik brauchen. Also eigentlich alles, wo Musik und Audio eine Rolle spielen. Ich habe bis jetzt circa 700 Songs produziert, veröffentlicht und auch geschrieben. Ich habe allein in Österreich circa 1000 Air Plays im Jahr und das sind die kleinen Mosaiksteinchen, die ein großes Ganzes ergeben. Und ja, das beschreibt meinen Tätigkeitsbereich.

OK, Dankeschön. Wir haben ein paar Interviewfragen vorbereitet und die würden wir Dir nun gerne stellen. Das erste was wir gerne wissen wollen ist, wie bist du zur Musik gekommen?

Also eigentlich ist die Musik zu mir gekommen. Für mich war das normal. Als ich 5 Jahre alt war, bin ich im Auto hinten bei meinen Eltern gestanden, also ich war noch sehr klein. Ich habe mitgesungen bei dem, was im Radio zu hören war und habe mir gedacht, das kann man besser machen. Ich habe da schon meine eigenen Linien gesungen. Ich habe aber geglaubt, das ist ganz normal- das kann doch jeder. Ich bin auch überhaupt nicht Notenaffin. Ich hab überhaupt nichts mit Noten am Hut. Bei mir entsteht alles im Kopf wenn ich komponiere – ich hör das einfach. Ich habe zum Beispiel auch für „The Voice of Germany“ und die ganzen großen Casting-Shows gearbeitet und was dir sonst angeboten wird. Du musst die Musik für ein Produkt schreiben, da habe ich Sekunden später schon das Lied im Kopf und kann das umsetzen. Das war eigentlich schon so seit ich klein war. Also so gesehen war mein Weg ein bisschen vorgezeichnet, ich wollte eigentlich schon immer genau das machen. Einmal hatte ich eine kurze Schwächephase und wollte Nationaltorhüter werden (und lacht). Dafür bin ich aber ungefähr 60 cm zu klein. Ich habe es aber trotzdem bis zur U15, also unter 15 Jahren bei einem Bundesligaverein geschafft. Aber ich bin dann wieder zurück zur Musik. Die Musik hat mich also schon immer begleitet seit ich klein war. Ich habe das dann immer weiter verfolgt und dann maturiert, irgendwann einmal. Ich hatte den Entschluss Musikproduzent zu sein und ich hatte keine Ahnung von irgendwas. Meine Eltern hatten keine Freude mit mir. Die wollten, dass ich Anwalt werde, oder so – irgendwas Gescheites – wie halt alle Eltern. Und so gesehen hat es dann nochmal 10 Jahre gedauert, bis ich es geschafft habe, davon leben zu können. Jetzt mache ich es seit fast 18 Jahren.
Da kann man sich jetzt mein Alter ausrechnen.

Wie sieht das genau aus – also wie entsteht ein üblicher Arbeitsauftrag?

Musikproduzent und Komponist sind 2 Paar Schuhe. Ich bin ja ganz oft nur der Komponist eines Songs und jemand anderer produziert ihn. Oder ich werde beauftragt, einen Song zu produzieren. Einen Produzenten kannst du vergleichen mit einem Regisseur beim Film. Ein Produzent ist für die musikalische, technische und kreative Umsetzung verantwortlich. So, dass aus einer Idee ein markttaugliches und möglichst erfolgreiches Produkt entsteht. Und wie ich gesagt habe, Komponieren ist für mich ganz leicht. Da brauche ich nicht lange dafür, das können Sekunden sein oder Minuten oder eine Stunde. Aber das Produzieren dauert halt. Da gibt es ganz viele Arbeitsschritte im Studio. Das kann eine Woche oder auch einen Monat dauern bis es so umgesetzt ist, dass man mit den Großen mitspielen kann, oder dass es diese Qualität hat, damit man es im Radio hören kann. Wenn ich produziere, bekomme ich die Aufträge vom Management, Plattenfirmen, Werbeagenturen, TV-Sendungen- je nach dem, was ich damit machen soll. Und ab und zu, wenn es die Zeit zulässt, mache ich auch Projekte in Eigeninitiative. Da setzt man sich halt hin und konzeptioniert. Wie sieht der Zielmarkt aus, wer ist das Zielpublikum. Davon anhängig macht man dann am Reißbrett die Musik. Das kann auch Filmmusik sein. Ich habe auch schon fürs Fernsehen Musik geschrieben. Das sind alles ganz verschiedene Sachen, also von der Casting-Show bis zum Richard Lugner (und lacht), oder die „Eis am Stiel“ Filme. Je nachdem, was der Markt braucht. Du kannst für „Eis am Stiel“ keine Oper schreiben, dieser Film braucht einen Ballermann-Song. Es ist ein Asset von mir, hoffe ich zumindest, jedem das zu geben was er braucht. Ob es dann erfolgreich wird oder nicht, das entscheiden andere Faktoren. Du musst zumindest erst einmal die Musik so gut machen und das Produkt muss so gut sein und so markttauglich sein, dass es zumindest eine Chance hat. Ob es dann erfolgreich ist, hängt ab von der Viralität. Wie viral geht das Ganze dann über die sozialen Medien zum Beispiel. Vor 10 Jahren war das Ganze noch anders. Das gesamte Marketing war anders. Heute kannst du über die sozialen Medien sehr viel erreichen. Es kostet nix. Vor 10 Jahren war es unbezahlbar. Die Zeiten ändern sich. Du musst immer mit der Zeit gehen und musst immer schauen, dass du dich der Zeit anpasst. Du musst immer vorausdenken, sonst gehst du unter.

Welche Faktoren müssen erfüllt sein, damit ein Hit ein „Nummer 1“ Hit wird?

Ja, wenn ich das wüsste wäre ich viel erfolgreicher. Es ist ganz oft so, speziell in der heutigen Zeit, da gibt es speziell auf Social Media oder auf YouTube Leute, die eine sehr große Reichweite haben. Diese Leute haben mit Musik eigentlich gar nichts am Hut. Wenn sie zum Beispiel einen Song aufnehmen, gehen diese Personen auf Grund der Reichweite sofort in die Charts. Auf der anderen Seite werden viele Millionen Dollar von den großen Plattenfirmen reingesteckt, bei Lady Gaga zum Beispiel, und dann kann es passieren, dass es dann trotzdem nicht funktioniert.
Generell kann man sagen, dass es heutzutage ein Überangebot gibt. Das ist auch inflationär in Wirklichkeit. Es ist schwer aus der Masse heraus zu stechen. Es gibt leider kein Rezept. Wenn ein Produkt sehr gut gemacht und produziert wurde, also die Qualität gut ist, ist das vielleicht ein Vorteil. Aber wenn´s keiner hört bleibt er in der Schublade liegen. So gesehen ist es heute wichtig für Künstler, eine große Socialmedia- Followerschaft zu haben. Das verstärkt die Chancen, zumindest gehört zu werden. Es gibt heutzutage auch keine Musikverkäufe mehr im eigentlichen Sinn. Die Charts errechnen sich aus Streaming. Mit Streaming an sich ist es jedoch für einen Künstler sehr schwer, etwas zu verdienen. Das heißt, heute ist es das Ziel einen Hit zu haben, einen großen Hit zu haben, einen großen Streaming Hit. Dadurch werden auch die Verkaufscharts errechnet. Und erst mit dieser Aufmerksamkeit kannst du als Musiker Geld verdienen. Der Hit ist eigentlich Mittel zum Zweck. Geld verdienst du dann mit Merchandising oder mit Sync. Sync heißt, dass der Song mehrfach ausgewertet wird. Wenn ein Song öfter gespielt wird, wird er dann auch interessant für die Werbeindustrie. Damit kannst du auch Geld verdienen. Das ist bei der Helene Fischer im Schlagerbereich auch so. Jeder sagt, sie verdient pro Auftritt so viel. Das stimmt ja auch. Doch das Geld gehört ihr ja nicht alleine. Da verdienen noch 30 andere mit. Weil das der einzige Weg ist gut zu verdienen. Früher waren es die Verkäufe mit denen du gut verdient hast. Heute brauchst du die Aufmerksamkeit, um Einnahmen zu generieren. Ich als Produzent bekomme pro Auftrag ein Budget. Wenn ich zusätzlich noch Autor und Komponist bin, so erhalte ich zusätzlich noch AKM/ GEMA. Ich habe das Glück, dass meine Songs sehr oft gespielt werden, weltweit. Das ist pro Play sehr wenig, eigentlich lächerlich. Aber wenn du international gespielt wirst, oder im Radio, oder auch eine Werbung von dir läuft, dann kommt schon ein bisschen was zusammen. Dies sichert dir die Existenz der Firma. Doch prinzipiell, um auf die Frage zurück zu kommen- es gibt kein Rezept. Das wissen auch die ganz großen Firmen. Wenn es nicht angenommen wird oder nicht durchdringt, dann bleibt es halt liegen.

Gibt es eine Art „Drehbuch“, wenn Du einen Song schreibst oder komponierst?

Das ist eine sehr gute Frage. Ich schaue immer auf den Zeitgeist. Also was gerade „In“, ist. Auf das musst du schauen, ansonsten bist du verstaubt. Gleichzeitig weiß ich aus Erfahrung, welche Chores funktionieren können und welche Sounds gerade aktuell sind. Wenn man das alles in die Waagschale wirft, dann hast du Ingredienzien. Diese entstehen aus dem Gefühl heraus, aus der Erfahrung. Aber natürlich weiß ich auch, was musikalisch funktionieren wird, oder was schon mal funktioniert hat. Mein Anspruch ist es nicht irgendwas neu zu erfinden, sondern die Leute zu unterhalten. Also ich möchte, dass die Musik die ich mache nicht nur meine Oma hört, sondern im besten Fall ganz viele Leute erreicht. Wie du schon richtig sagst, da kann man schon schauen ob es eine Formel gibt. Es haben schon genug Musikwissenschaftler versucht aus besonders erfolgreichen Songs eine Formel heraus zu rechnen. Da gibt es durchaus Gemeinsamkeiten. Also wenn man die umsatzerfolgreichsten Songs der 2000er bis jetzt vergleicht, die in der Regel immer von den gleichen produziert wurden, da erkennst du sehr wohl, wie lang die Strophe sein muss, wie lange das Intro, und wie oft der Refrain kommen muss und so weiter. Und heute in der Spotify-Zeit, wo alles gestreamt wird und die Aufmerksamkeitsspanne der Leute immer geringer wird, werden die Songs zum Teil auch viel kürzer. Heute ist Spotify das Hauptmedium zum Konsumieren von Musik. Es ist das meistgenutzte Streaming – Medium. Die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen wird immer kürzer, und Spotify rechnet erst nach 30 Sekunden ab. Also wenn jemand einen Song 10 Sekunden hört und nach 10 Sekunden abbricht, dann ist dies sehr schlecht für das Ranking bei Spotify. Der Song sackt immer mehr nach unten und man findet ihn gar nicht mehr. Darum ist es aktuell ein Trend, dass Songs immer kürzer werden, man sich auf das wesentliche konzentriert, weil die Leute Menschen einfach Angst haben, dass man bei Spotify gekippt wird. Angeblich werden in 10 Jahren – ich weiß nicht ob es stimmt – die Songs nur noch 1 ½ Minuten lang sein. Um auf die Frage zurück zu kommen, ich mache es noch so, dass ich meine Sachen die schon mal funktioniert haben mit Gespür mische und mit dem Sound der heutigen Zeit kombiniere. Also ich höre mich in aktuelle Produktionen rein, klar, du musst ja auch mithalten. Internationale Produktionen haben auch viel mehr Budget als die, die ich produziere. Und der Song muss trotzdem gut klingen. Die Songs werden hintereinander auf Spotify oder im Radio gespielt. Wenn meiner schlechter klingt, dann kann ich sicher nicht die Ausrede gelten lassen, dass ich halt weniger Budget hatte. Gerade wenn du weniger Budget hast musst du besonders kreativ sein.

Wer gibt die Trends in der Musikbranche vor? Wer entscheidet, was gerade gehört wird und was modern ist?

Verbreitet werden die Songs über die Medien. Wenn der normale Konsument etwas hört und es immer wieder hört, dann glaubt er, dass es gut ist. Aber gerade in der heutigen Zeit sucht jeder nach einer Formel, dass Songs immer „neu“ klingen. Es wird sehr viel experimentiert. Es gibt sehr viele Crossover-Nummern. David Getta zum Beispiel. Da ist eine Strophe, die wie eine Ballade klingt und der Refrain ist wieder Dance. Jeder sucht nach einer neuen Formel. Trotzdem klingt vieles sehr gleich. Wenn irgendwas annähernd erfolgreich ist, dann machen es alle anderen nach. Trotzdem gibt es dann immer wieder einen Ausreißer von Leuten, die sich um den Mainstream gar nicht so kümmern. Im „Underground“ entwickelt sich oft unabsichtlich ein massenkompatibler Hit. Weil dieser interessant klingt und aus der Masse herausragt, ganz ohne viel Werbung und nur durch Socialmedia. Und dann machen wieder alle genau das nach. So ist das immer wieder. Das ist ja auch bei den Schlagerproduktionen so. Heute klingt das alles sehr modern produziert.

Hat man als Produzent Angst davor, ein One-Hit Wonder zu produzieren?
Ja, also die Angst hätte ich gerne. Ich hätte sehr gerne, einen solchen One-Hit-Wonder-Hit. Früher in den 70iger/ 80iger Jahren, wenn du einen One-Hit hattest, so hast du komplett finanziell ausgesorgt gehabt, also wenn du dich nicht komplett ungeschickt angestellt hast. Also so gesehen hätte ich gerne einen One-Hit, also einen weltweiten großen Hit den jeder kennt. Insofern habe ich da überhaupt keine Angst. Ich mache ja auch sehr viele Sachen gleichzeitig und freue mich, wenn da mal etwas mehr funktioniert. Das musst du in der heutigen Zeit auch machen, du musst breit aufgestellt sein. Ich mache jetzt nicht einen Song und verlass mich drauf, dass dieser funktioniert. Ich mache ganz viel. Da ist mal eine Werbemusik, mal ein Schlagersong, dann mal eine internationale Kooperation. Ich bin auch sehr viel in anderen Ländern unterwegs. Ich werde von Musikverlagen nach Turin, nach London und Berlin eingeladen und tausche mich da mit anderen aus. Ich schreibe auch sehr viel im Ausland mit anderen und kreiere neuen Content. Es ist ganz wichtig, sich mit anderen zu vernetzen. Wenn du nur alles alleine machst, dann kommen früher oder später nur noch Wiederholungen und du bist nicht mehr trendy. Wenn du aber über einen langen Zeitraum Musik machst und davon leben willst, dann geht das nur, indem du mit anderen, die eben auch am Puls der Zeit sind, im Austausch bist. Das machen auch die supererfolgreichen Musikproduzenten wie der Max Martin, der als der erfolgreichste Produzent der Welt gilt und der seit circa 20 Jahren super erfolgreich ist. Doch es ist so, dass auch er sich mit jungen Leuten umgibt die aufstrebend sind, sich austauscht und dadurch frisch bleibt. Aber Angst vor dem One Hit…, ich hoffe, er kommt noch. Ich würde es mir sehr wünschen.

Auf welches Projekt bist Du besonders stolz?

Tja, das ist ganz unterschiedlich. Vor 20 Jahren zum Beispiel war es für mich unvorstellbar, dass meine Musik mal im Radio gespielt wird. Als das dann mal passiert ist, da dachte ich, ich bin der Schneekönig. Jetzt ist es aber so, dass meine Musik über 1000-mal im Jahr im Radio gespielt wird, allein in Österreich. Da freut man sich drüber, aber es ist nichts Besonderes mehr. Oder als meine Musik das erste Mal in einem Hauptabendprogramm gespielt wurde, das hat mich auch sehr gefreut, oder als ich meine erste Goldene bekommen hab. Ich war immer zufrieden mit dem was schon war. So gesehen gibt es immer neue Ziele. Ich habe mich immer über erreichte Ziele gefreut: die erste Goldene, das erste Mal in den Top10 der Charts, oder auch da, wo ich mit beteiligt war. Vor vielen Jahren hab ich mich gefreut, als ich das erste Mal auf einer CD meinen Namen gesehen habe. Jetzt sind das schon viele Hunderte. Man erinnert sich gerne an das Glücksgefühl zurück. Man überlegt, was es ausgelöst hat, weil es immer wieder Ansporn ist, um neue Ziele zu erreichen. Den einen Moment, an den ich mich am liebsten zurückerinnere, den gibt es eigentlich nicht. Es gibt aber ganz viele, an die ich mich gern erinnere und sage, o.k. es war super. Und wenn man mal nicht so gut drauf ist, so denkt man gerne zurück und erinnert sich daran, was schon alles passiert ist. So gesehen ist das immer eine Motivation weiter zu machen und Gas zu geben.

Was wäre denn Dein größeres Ziel?

Ich bin ja eine Firma. Und als Firma muss ich schauen, dass ich mich durchschlängele um weiter zu wachsen, vom Umsatz her zu wachsen oder mit immer größeren Künstlern zu wachsen. Früher war es so, dass jeder mit großen Künstlern arbeiten will. Die meisten scheitern daran, weil du einfach nicht Teil von diesem Mechanismus bist. Das ist eine geschlossene Gruppe. Ich kann nicht daherkommen und sagen, gib der Helene Fischer einen Song von mir. Das ist unrealistisch. Egal wie gut der Song ist, ich bin nicht Teil des Mechanismus in dem die Helene Fischer eine Rolle spielt. Ich habe jetzt im Dezember noch eine Werbeagentur gegründet mit dem Schwerpunkt Digital Business, um die Säulen Musikproduktion und Digital Business zu fusionieren. Auch um breiter aufgestellt zu sein und auch um fixe Mitarbeiter zu generieren. Eines meiner Ziele ist es, in der Werbeindustrie- in der Werbemusik tätig zu sein. Da hab ich jetzt ein bisschen Blut geleckt. Ich habe Musik für eine große Werbung gemacht. Ich darf nur den Namen noch nicht sagen, weil das noch nicht im Fernsehen war. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und das ist auch was Neues für mich. Es ist ein Ziel, da würde ich gern mehr machen in Zukunft. Gleichzeitig aber auch das Digitalbusiness aufbauen, weil Digitalisierung ist ja eines der großen Schlagwörter der Zukunft und damit kenne ich mich auch gut aus. So gesehen gibt es da noch viele Dinge, die auf meiner Agenda stehen. Die jetzige Situation (Anmerkung: Corona) hat auf mich wirtschaftlich keinen Einfluss, weil ich das schon lange genug mache. Es betrifft mich persönlich nicht, aber ich sehe es bei anderen, wie schnell es aus sein kann. Der Markt wird ein anderer sein, obwohl das ja nur 2 Monate gedauert hat. Es sind leider ganz viele Kollegen ausradiert und man muss schauen, wie es weiter geht. Aber ich bin zum Glück breit genug aufgestellt und es ist genug in den letzten Jahren passiert. Also ich werde es überleben. Und darum möchte ich betonen, wie wichtig es ist, vorauszudenken und sich nicht auszuruhen.

Inwieweit spielt Musik für Dich im privaten Bereich eine Rolle?

Früher ist es mir sehr schwergefallen privat Musik zu hören, weil ich alles analysiert habe. Sobald ich ein Lied höre, kann ich in meinem Kopf auslesen, wie viele Spuren spielen da, wieviel Instrumente sind da 30 oder 50, wie sehr ist bei dem Sänger geschummelt worden, welche Tricks wurden angewendet. Heute bin ich etwas lockerer geworden und kann Musik durchaus privat genießen. Da höre ich auch alles quer durch. Ich bin ein so genanntes „Kommerzschwein“- ich bin also sehr kommerziell orientiert. In Wirklichkeit interessiert mich alles. Und natürlich beeinflusst das auch meine Arbeit- unbewusst. Ich versuche durchaus, meinen Horizont zu erweitern und auch ausgefallenere Dinge zu hören. Das fließt dann natürlich auch alles in meine Arbeit ein.

Gibt es eine Person, die Dich besonders beeindruckt hat?

Ja, da waren wirklich sehr viele dabei. Natürlich habe ich auch schlechte Erfahrungen gehabt, wie jeder Mensch. Aber die meisten Erfahrungen waren sehr positiv. Es ist schwierig jemanden herauszupicken. Ich kann nur so sagen, weil der Name ja auch schon gefallen ist und er ja auch kein Sänger ist. Ich hatte von ihm zuvor auch ein ganz anderes Bild. Ich hatte vor 10 Jahren einen ganz großen Hit mir Richard Lugner. Ich kannte ihn auch nur aus den Zeitungen und man mag ihn sehen wie man will. Meine Erfahrung war positiv. Er war immer pünktlich, immer top angezogen, super verlässlich super professionell. Ich hätte das nie geglaubt, auch wenn er natürlich nicht singen kann. Aber es war trotzdem ein großer Erfolg in Österreich in den Verkaufs-Charts. Er war damals schon 78 Jahre alt. Er hatte auch gesagt, das, was er im Fernsehen macht, ist ein riesengroßer Blödsinn. Es ist nur, damit er Aufmerksamkeit hat. Er war wirklich ein seriöser Mann von der alten Schule, ein ganz netter und sehr disziplinierter Mensch. Er war sogar einer der diszipliniertesten die ich jemals kennengelernt habe. Er war sich nicht zu schade diesen Song zu singen. Er hat damals mehrmals im Monat, singend mit Lederhose in ganz Österreich auf der Bühne gestanden. Natürlich hat er auch viel Geld dafür bekommen. Er hat mich tatsächlich sehr überrascht. Aber natürlich nicht nur der Herr Lugner. Ich wüsste jetzt nicht, wen ich sonst noch herauspicken soll. Jeder hat seine Lebensgeschichte. Man muss aber sagen, es gibt oft Beispiele, wo man als Produzent wie ein Psychologe oder wie ein Vater sein muss, auch um die Künstler lenken zu können. Also intuitiv- und das kann ich glaube ich ganz gut- wenn ich jemanden zum ersten Mal sehe, ihn richtig einschätze und ich dann weiß, wie muss ich mit ihm umgehen. Trotzdem ist es oft so: man muss mit den Leuten so wie ein Vater mit seinem Kind reden, dass er sich wohl fühlt. Künstler sind oft sehr verwundbar. Wenn da irgendwas Falsches passiert und der sich nicht wohl fühlt, bringt der keine Leistung. Das ist auch sehr Energie aufreibend. Wenn du das nicht machst, so hast du den nicht unter „Kontrolle“. Wichtig ist, dass man richtig mit den Leuten umgeht. Sonst fällt mir im Moment keiner ein. Ich habe schon sehr viel gemacht, von den Dschungelstars bis hin zum singenden Fußballer, bis zum internationalen Künstler. Bei ganz vielen großen Dingen war ich der Ghost Producer, das heißt, mein Name wird nicht genannt. Viele große Produzenten produzieren in Wirklichkeit gar nicht selbst. Diese haben ihre Ghost Producer, die die eigentliche Arbeit machen und natürlich Geld dafür bekommen, aber dafür nicht genannt werden. Der andere bekommt dann die Lorbeeren und das eigentliche Geld für den Verkauf usw. Man bekommt viele Eindrücke, die man sonst nicht erlebt. So gesehen habe ich schon viel private Zeit mit den verschiedensten Leuten erlebt und viel mitgenommen.

Was liebst Du an Deiner Arbeit?

Grundsätzlich liebe ich sie sehr. Es ist ein großes Privileg davon leben zu können und eine Freiheit zu haben, die viele andere nicht haben. Das Größte ist für mich die Freiheit. Natürlich muss ich viel machen, doch ich kann mir das im Prinzip frei einteilen. Als Firma muss natürlich immer Geld irgendwo herkommen. Ich muss immer akquirieren. Seit 18 Jahren geht das gut und immer besser. Ich bin dankbar, dass ich das schon so lange machen kann. Musik spielt eine große Rolle, seit ich ganz klein war. Es gab auch Zeiten, wo dies unerreichbar weg war. Ich musste schauen, dass ich was anderes mache. Wie sollte ich da Geld verdienen und noch dazu regelmäßig. Jeder Verwandte weiß es besser was funktioniert und was nicht. Das ist heute natürlich schön. Die Leute, die damals nicht an den Erfolgt geglaubt haben, die gesagt haben was geht und was nicht geht und auch gelacht haben, die haben aufgehört zu lachen, als die ersten Ergebnisse da waren. Viele bewundern das jetzt. Nicht mal meine eigenen Eltern hätten geglaubt, dass mir das gelingt. Die haben mit Musik nichts zu tun. So gesehen spüre ich da große Dankbarkeit dem Leben gegenüber und dass ich so viele skurrile Dinge erleben durfte. Die persönliche Freiheit kann man nicht genug schätzen. Ich bin mein eigener Chef und ich bin mit mir als Mitarbeiter sehr streng. Das ist vielleicht auch ein Grund, dass ich das schon so lange machen darf. Wenn ich jetzt einen anderen Chef hätte, dann weiß ich nicht. Das hatte ich nur ganz zu Beginn mal, vor über 20 Jahren und nur für ganz kurze Zeit. Das war die einzige Zeit wo ich angestellt war. Und jetzt seit 18 Jahren bin ich voll selbstständig.

Was würdest Du Deinem Jüngeren Ich für einen Tipp geben?

Das denke ich mir oft. Ich musste erst zu einem Geschäftsmann werden. Ich war eigentlich immer der Künstler und bin zu Beginn sehr blauäugig an viele Projekte heran gegangen. Das wurde sehr oft ausgenutzt, also ganz zu Beginn, vor langer Zeit. Weil ich das Ganze einfach aus Liebe zur Sache gemacht habe. Einfach weil die mein Talent erkannt haben und sich natürlich die Kohle eingesteckt haben. Ich war damals froh, Teil des Ganzen zu sein. Daher würde ich mir heute den Tipp geben, vom Anfang an ein Geschäftsmann zu sein. Mittlerweile kenne ich mich gut aus, ich mach das ja schon lange genug. Ich hätte mir selbst den Tipp gegeben, mich vor Wölfen zu schützen oder diese Leute einfach schneller zu erkennen. Heute kann man mir nur sehr schwer etwas vormachen, weil ich jeden kenne der eine Rolle spielt- zumindest in meinem Bereich und in den unterschiedlichsten Ländern. Natürlich habe ich auch Lehrgeld im wahrsten Sinne des Wortes gezahlt.
Ein zweiter Tipp, den ich mir geben würde ist, mich mehr zu trauen. Damals habe ich lange überlegt, ob ich etwas mache oder nicht. Springe ich ins kalte Wasser oder nicht. Aber eine Persönlichkeit muss sich erst entwickeln. Solange dieser Pfeil schön nach oben geht und sich immer weiter entwickelt, ist es ok. So gesehen bin ich nicht unzufrieden mit mir selber wie das damals alles gelaufen ist, weil es eine Lernerfahrung ist. Diese 2 Tipps hätte ich mir also gegeben. Trau dich mehr und glaub nicht alles und jedem. Das sind auch die Dinge, die ich heute den jungen Leuten sage, wenn die zu mir kommen. Sie sind noch zu unerfahren, haben vom Geschäft überhaupt keine Ahnung. Das erste was ich erzähle ist, was mir schon alles passiert ist und worauf man aufpassen muss. Weil viele Künstler haben überhaupt keine Ahnung, sie sind einfach nur ein Talent und werden ausgenutzt, ausgenommen und wie eine Ware weggeworfen.

Wie verbindest Du Beruf, Familie und Freizeit?

Nach außen hin schirme ich das Familienleben komplett ab. Über mich privat weiß man nichts. Von meiner Tochter gibt es weder Bilder noch sonst irgendwas auf Facebook. Andere machen sowas ja ganz gern, doch vom mir gibt es überhaupt nichts. Auch nicht von meiner Partnerin. Ich versuche das Familienleben komplett außen vorzulassen, Wenn es für mich beruflich nicht so wichtig wäre, wäre ich auch nicht auf Socialmedia. Weder Facebook, noch Instagram. Ich mache es nur wegen der Musik und um meine Person ein bisschen zu vermarkten. Aber natürlich hat ein kleines Kind Einfluss auf das Leben. Es ist ja auch was Schönes und es ist das größte Geschenk und der größte Erfolg bis jetzt. Mich freut auch, dass die Kleine in meine Fußstapfen tritt. Sie scheint sehr musikalisch zu sein, auch die Mama ist sehr musikalisch. Wenn man ein Kind hat denkt man noch einmal ganz anders über verschiedene Sachen nach. Deshalb habe ich jetzt das Gefühl, dass mein Weg erst so richtig begonnen hat. Es ist ein gewisses Plateau erreicht, wo ich einen gewissen Ausblick hab und evaluieren kann, wie es weiter geht. Das sind Dinge, die das Kind verursacht hat. Jetzt gilt es alles doppelt so gut zu machen. Jetzt ist der Papa nochmal gefordert.

Produzierst Du auch Hörbücher?

Genau, ich habe auch Hörbücher produziert. Erst unlängst habe ich mit 2 großen Netzwerkern etwas zusammen gemacht. Wir waren in Venedig und haben ein Hörbuch über Venedig produziert. Das war wirklich super und da haben wir echt aus den Vollen schöpfen können. Ich habe tatsächlich die Tauben aufgenommen am Markusplatz. Wir haben die ganzen Geräusche aufgenommen, die Kirchenglocken. Die 2 haben ein Buch geschrieben über Venedig, einen Reiseführer. Das ist ein ganz besonderer Venedig-Führer. Hörbücher machen mir ganz toll Spaß. Ich habe schon sehr viele produziert. Und das ist es auch, was mir Spaß macht. Es ist alles breit gefächert. Wenn ich den ganzen Tag nur Schlager produziere, dann wär mir das zu eintönig. Und so mache ich eben unterschiedliche Dinge, mal einen Dance-Song, mal einen Werbe-Song, dann mal ein Hörbuch oder eine Tonschleife für Firmen, oder für den Wiener Donauturm habe ich das letztens gemacht und auch für einige andere Unternehmen. So bleibt man frisch und kann sich den Spaß an der Sache erhalten. Ich kenne ganz viele Kollegen, die immer nur das Gleiche machen, aber nicht zufrieden sind. Denen geht das eher auf den Wecker, weil es zu eintönig ist. Ich habe meine eigene Infrastruktur und habe geschaut, dass ich nicht von den großen Plattenfirmen abhängig bin, sondern ich habe meinen eigenen Sandkasten aufgebaut und hole mir die Leute, die in meinem Sandkasten mitspielen. Ich gehe nicht zu einem anderen Sandkasten und frage, ob ich mitspielen darf.

Welchen Wunsch außerhalb vom Beruf möchtest Du Dir in den nächsten 10 Jahren noch erfüllen?

Als Familie legen wir sehr viel Wert auf geistige und körperliche Gesundheit, um möglichst lange ein schönes Leben zu führen und schöne Plätze zu sehen. Ich glaube das Wichtigste ist es, sein inneres Glück zu behalten. Das ist die Grundvoraussetzung für alles andere. Wenn du glücklich bist, dann hast du auch eine ganz andere Körperschwingung und bleibst auch gesünder. Ich habe schon viel erleben dürfen und wenn das so weiter geht und ich auch weiterhin schöne Plätze auf der Welt sehen darf, die Menschen die mir wichtig sind, dann bin ich glücklich. Mehr Glück brauch ich nicht. Geschäftlich natürlich, die Firma weiter aufzubauen. Das ist mir auch wichtig.

Was würdest Du uns verraten, was kaum jemand anderes von Dir weiß?

Meinen Namen, den ich vorher gehabt hab. Auf jeder Veröffentlichung von mir stand Johnny Matrix, Seit 2014 habe ich das tatsächlich ändern lassen, weil ich mir dachte dann spüre ich das noch mehr. Auch im Sinne des Selfbrandings, das ich weiter vorantreiben will ist das auch wichtig. Mittlerweile sagt seit vielen Jahren jeder Johnny Matrix, oder Johnny zu mir, von meinen Freunden angefangen, meine Partnerin ebenso.

Was ist Deine Lieblingsspeise?

Wenn ich in fremden Ländern bin, dann koste ich gern die jeweiligen Nationalgerichte. Prinzipiell bin ich zu 80-90 % kein Fleischesser. Aber wenn ich mal Fleisch esse, dann sehr gerne. Ich esse genauso gerne ein Schnitzel wie ein vegetarisches Gericht. Jetzt in Zeiten von Corona, wo ich mir im Studio selbst was zubereiten muss, bin ich darauf gekommen, dass ich sehr gerne Germknödel esse. Das soll zwar nicht jeden Tag auf dem Speiseplan stehen, aber Lieblingsspeise, tja, da bin ich sehr offen. Wenn schon Fleisch, dann darf es gern ein Schnitzel oder Cordon Bleu sein. Aber eben, Germknödel dürfen es auch sein.

Vielen Dank für Deine Ausführungen und alles Gute und viel Erfolg weiterhin!

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