Jacqueline Uhl, Patrizia Pieber, Martina Ecker

Einstieg: Staubsauger zu hören – „Wir misten gerade aus“

Martina:
Liebe Susanna, vielen Dank, dass Du Dich in dieser Zeit für unser Interview zur Verfügung stellst.

Susanna:
Ich freu mich auch, ich habe das auch so noch nicht gemacht. Ich kenne das von Freunden, aber so viele Leute habe ich auch noch nicht zusammengeschlossen, wie macht ihr das? – kurze Erklärung von Jacqueline „Gruppenanruf in Whatsapp“

Martina:
Vor ca. einem Monat hat sich für uns alle das Leben schlagartig verändert – wie sieht Dein Leben aktuell in dieser Zeit aus?

Susanna:
Ich muss sagen, es ist alles viel entspannter, das hat auch was Positives. Es hat sich um den 11. März herum alles drastisch geändert, ab dem Zeitpunkt, wo das Theater geschrieben hat, dass es zu macht. Ich habe mir noch gedacht, nie im Leben macht ein Theater zu. Bei uns gibt es das nicht, wir spielen auch, wenn wir krank sind – the show must go on – als Schauspielerin stellst Du Dein Privatleben oder Deine privaten Bedürfnisse hinten an. Dein eigenes Schicksal soll das Publikum nicht merken, wenn man professionell arbeiten will.
Das können sich viele schwer vorstellen, wir sind eine Mischung zwischen Selbstständigen und Angestellten. Ich switche zwischen selbständiger Tätigkeit und Angestelltenverhältnis, weil es gibt Arbeitgeber, die dich nicht anmelden, da arbeitet man auf Honorarbasis. Es gibt auch Theater, die kein Probengeld bezahlen, obwohl das die meiste Arbeit ist.

Ich hab von Anfang an gewusst, ab dem Zeitpunkt, wo das Theater zugesperrt hat, das wird länger als zwei Wochen dauern. Es gab einige blöde Kommentare auf Facebook von Leuten, die nicht verstehen in welcher Situation wir Künstler sind. Ich selbst habe Gott sei Dank Anspruch auf Arbeitslosengeld, was jetzt aber auch nicht die Welt ist. Da gehen sich nicht mal alle Fixkosten aus, d.h. man überzieht seinen Rahmen. Mein Erspartes habe ich für eine Amerikareise noch vorher ausgegeben. Damit habe ich nicht gerechnet, dass das auf uns zukommt. Und außerdem habe ich gewusst, dass ich weitere Folge-Engagements habe.
Ich wäre bis fast Ende des Jahres mit Engagements durchgeplant gewesen. Für mich geht es ab Frühjahr nächsten Jahres auch wieder weiter. Das einzige, das wirklich ein Problem in der Sparte ist, wir wissen nicht wann es weitergeht. Man hängt so in der Luft und diese Ungewissheit, die macht einen unrund. Ich glaube die Tourismusbranche und die Kulturbranche, sind die letzten Glieder in der Kette der Wirtschaft d.h. wir werden die Letzten sein, die überhaupt wieder aufmachen dürfen. Wann das sein wird ist fraglich, weil ich befürchte solange kein Impfstoff da ist und auch kein Medikament am Markt, wird das in dem Sinn nicht stattfinden. Vielleicht im kleineren Rahmen, bis zu einer gewissen Personenanzahl, vielleicht auch mit gewissen Maßnahmen, wo ein Stuhl dazwischen sein muss, aber wie es sein wird ?

Die Leute werden auf der einen Seite nach Kultur ausgehungert sein, d.h. viele werden die Theater stürmen, wenn das vorbei ist und andere werden aber kein Geld mehr haben, weil es ein Luxus werden wird.
Die Darsteller werden noch schlechter dastehen als vorher, denn die kämpfen immer. Es gibt natürlich sehr gut subventionierte Theater, aber es gibt auch die ganz kleinen Theater. Die gehen zugrunde oder es wird wieder Preisdumping geben. Somit wird es am Rücken der Künstler ausgetragen werden, wo die Gagen eh nicht sehr hoch sind.

Und sonst, wie ist es für mich … ich hab das Glück einen sehr liebevollen Partner zu haben, der seit Juli mit mir zusammenlebt. Wir sind auch froh, dass wir zusammen sind, das macht natürlich die Situation einfacher. Ich befürchte für Leute, die ganz alleine leben, da ist die Zeit schon schwieriger oder für Paare, die sich leider gar nicht mehr leiden können. Entweder wird die Zeit jetzt eine Ehe retten oder es wird mehr Scheidungen geben.
Was ich auch merke ist, wie wichtig für mich die Gesundheit ist bzw. noch wichtiger wird. Alles andere steht hinten an. Ich selbst z.B. bin Asthmatikerin und gehöre somit zur Risikogruppe. Ich bekomme bei der Zeit wo Pollen fliegen schwer Luft und muss meine Antihistaminika regelmäßig nehmen. Ich halte mich sehr an die Regelungen mit Maskenpflicht.
Ich habe Gott sei Dank – das kommt auch dazu – den Luxus eine Wohnung zu haben, die groß ist. Wir können uns auch aus dem Weg gehen, wenn man will. Ich habe eine große Terrasse, wo ich mich raus setzen kann. Das sind alles Dinge, die ich als großen Luxus sehe und bin auch sehr dankbar dafür, weil ich weiß, dass es vielen Menschen viel schlechter geht. Künstler, die überhaupt keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben, die selbstständig sind, bei der SVA angemeldet sind, woher kriegen die jetzt Geld? Von der WKO aus dem Härtefonds?

Martina:
Welches Resümee ziehst Du bis dato aus dieser Zeit ?

Susanna:
Ich hatte am Anfang fast Depressions-Schübe – es war vielleicht zu viel für mich. Ich war auch sehr traurig an den ersten Tagen, als das Theater zugemacht hat. Das Erste, das ich mir angesehen habe war die Pressekonferenz. Im Weiteren habe ich die neuesten Meldungen regelmäßig am Handy gelesen. Ich konnte nachts nicht schlafen. Mich haben Existenzängste geplagt. Wie soll das weitergehen? Wir werden alle sterben – das war mein erster Gedanke. Ich habe geweint, weil ich mir gedacht habe, oh Gott es geht zu Ende. Das ist das Ende der Welt oder zumindest der Menschheit. Die Natur wird es nicht betreffen, die braucht uns nicht.

Einmal habe ich mit einer Kollegin gesprochen, einer Schauspielkollegin, die mit mir in Los Angeles war. Wir haben eine Masterclass bei einem Coach besucht. Dort ging es um die Lebenseinstellung und dass man Chancen sieht und wahrnimmt und etwas macht aus seinem Leben. Sie hat mir gesagt: „Weißt Du ich will mich mit dieser Negativität gar nicht mehr umgeben und die bringt Dich auch nicht weiter“. Das hat mich so zum Nachdenken angeregt und ich hab mir gedacht sie hat recht. Wenn ich jetzt die ganze Zeit nur schlecht denke, dann füttere ich nur meine Angst, es bringt mich nicht weiter. Ganz im Gegenteil ich bin dann nur schlecht drauf und es kostet mich viel mehr Energie. Ich bin dann eine Belastung für meinen Partner, für mich selber und vor allem es entzieht mir noch die restliche Lebensenergie. Ab diesem Punkt habe ich beschlossen, dass ich damit aufhöre und ich habe einfach angefangen weniger Nachrichten zu schauen und versucht mich mit weniger Negativem zu füttern. Ich habe versucht einfach wirklich das Beste aus dieser Situation zu machen, die Dinge zu akzeptieren wie sie sind, im Hier und Jetzt zu sein und so gut wie möglich mit dieser Sache umzugehen und natürlich zu hoffen und zu beten, dass es irgendwann auch wieder vorbeigeht.

Martina:
Wenn ich Dich, Susanna, heute bitten würde, Dein Zukunftsbild für die Zeit nach Corona zu malen, wie würde dieses Bild aussehen ?

Susanna:
Gar nicht so viel anders als jetzt. Das einzige, wo ich im Moment wirklich sehr eingeengt bin – ich war gerade dabei eine Film- und Fernsehagentur zu suchen, was wirklich ein schwieriges Unterfangen ist. Theater werde ich immer spielen und Musical werde ich auch immer machen. Dort habe ich mich am Markt schon ganz gut etabliert. Den Job mache ich ja schon seit 25 Jahren. Ich habe in der jetzigen Zeit gemerkt wie sehr mir die Bühne fehlt und wie sehr ich meinen Beruf liebe. Wie sehr ich auch die Menschen liebe, die ich um mich herum habe und mit mir arbeiten. Das Kreativ sein fehlt mir.

Martina:
In welcher Form lernst Du Dich in dieser besonderen Zeit jetzt kennen ?

Susanna:
Ich bin ein Mensch der Extreme. Entweder ich bin wahnsinnig fleißig und ein Workaholic oder ich bin extrem faul. Das ist bei mir auch im Sport so, entweder ich mache jeden Tag 2-3 Stunden, wie eine Blöde, 5x in der Woche oder mache monatelang nix. Dieses Mittelmaß, das entwickelt sich jetzt in dieser Quarantänezeit. Ich merke das auch beim Essen, es ist auch da mehr Ruhe eingekehrt. Und ich esse auch nicht mehr so unkontrolliert, weil mehr Ruhe drin ist und auch den Sport mache ich jetzt kontinuierlicher und regelmäßiger als sonst. Aber vielleicht deswegen, weil ich sonst nichts anderes habe. Ich würde derzeit gerne Bewerbungen wegschicken an die Theater und Agenturen – das kann ich alles jetzt vergessen, weil niemand da ist und es wird mich auch im Moment keine Agentur engagieren, weil sie nicht wissen, wann sie wieder drehen dürfen – d.h. auch das ist im Moment komplett lahm gelegt.

Martina:
Was kannst Du zwischenzeitlich oder trotzdem derzeit machen?

Susanna:
Eins werde ich auf jeden Fall machen – ich werde zwei neue Videos von mir drehen, zwei selbst gedrehte Sachen, wo ich ein bisschen über mich erzähle. Das eine ist ein „About Me“-Video, das ist derzeit ein Trend, und das andere ist ein Casting-Video, indem man sich eine Szene aussucht und dreht, vielleicht auf Englisch. Gott sei Dank haben sie das für die Schauspieler sehr erleichtert, aber ich bin jetzt ein bisschen gebremst und das macht mich unrund.

Martina:
Vielen Dank für diesen tollen Einblick. Wir haben uns das Interview unter uns aufgeteilt, daher übergebe ich jetzt an Jacqueline.

Jacqueline:
Was war ausschlaggebend für Deine Berufsauswahl?

Susanna:
Das habe ich als kleines Kind schon gewusst. Ich kann nur jeden empfehlen wirklich auf sein Herz, auf seinen Instinkt zu hören. Der geht auch immer mehr verloren in unserer Gesellschaft. Vielleicht werden einige ihr Leben nach dem jetzigen Zeitpunkt ändern – ich befürchte nur, dass der Rest der Menschheit danach genauso weitermacht wie vorher auch. Die Welt wird genauso ausgebeutet und die Ressourcen weiter ausgeschöpft werden. Die Welt atmet jetzt auf, d.h. die Tierwelt und die Natur die freuen sich. Ich befürchte nur, wir werden uns sehr rasch wieder erholen und es wird genauso furchtbar sein wie vorher. Ich glaube, dass nur jeder für sich, jeder einzelne etwas verändern kann in seinem Leben. Ich wollte auch immer die Welt retten, aber es geht leider nicht. Man kann das Paradies für sich haben, d.h. in seiner Welt und mit den Menschen, die man um sich herum hat. Meinen Beruf wollte ich schon als kleines Kind. Ich hab immer gesagt: „Ich werde Sängerin“ und „Ich werde Schauspielerin“ und das hab ich durchgezogen.

Der Weg war nicht immer einfach und es gab auch Momente, in denen ich aufhören wollte. Finanziell dachte ich oft, es nicht mehr durchzuhalten. Dieser Beruf bringt ständige Existenzängste mit sich, denn man hangelt sich von einem Engagement zum nächsten. Auch plagten mich immer wieder Selbstzweifel nicht gut genug zu sein. Die Kreativität ist auch so eine Sache, die ist da oder nicht da. Ich brauche trotzdem andere Menschen um mich herum, die mich inspirieren. In dieser Zeit merke ich besonders wie sehr es mir fehlt, wie sehr ich meinen Job liebe und wie sehr er mich erfüllt. Ich bin froh, dass ich das machen kann, weil das meins ist. Das bin ich und das ist ein großer Teil meines Lebens. Ich kann vieles verschmerzen, aber nicht mehr auf der Bühne zu stehen, das könnt ich sehr schwer verkraften. Oft habe ich überlegt etwas anderes zu machen, aber auf der Bühne zu stehen ist wie eine Droge.

Jacqueline:
Inwiefern haben Dich Deine Eltern unterstützt bei deinem Weg?

Susanna:
Ich bin allein mit meiner Mutter aufgewachsen und meine Mutter ist eine sehr realistische Person. Sie ist meine größte Kritikerin und wäre die Erste gewesen, die mir gesagt hätte „Kind, du bist völlig unbegabt“. Da ist sie beinhart und sehr ehrlich. Sie hat aber immer zu mir gesagt: „Du hast Talent“ und hat mich immer sehr gefördert und mir den Rücken gestärkt.
Früher hab ich viele Chancen verpasst, aber jetzt nicht mehr. Ich hab mich um 180° Grad gedreht. Als junges Mädchen war ich geplagt von Selbstzweifeln, dass ich mich oft nicht getraut habe zu Castings oder Vorsprechen hinzugehen. Inzwischen habe ich mich sehr geändert. Heute kann ich besser mit meinen Ängsten und Zweifeln umgehen und stelle mich einem Problem.
Wer im Leben nichts riskiert, wird immer auf dem Level bleiben, auf dem er ist. Dann ist man im Stillstand. Du kannst dir nicht immer ein Sicherheitsnetz spannen und damit über die Brücke gehen. Manchmal muss man alles auf eine Karte setzen und sagen „Ich mach das“ und wirklich versuchen dem Instinkt und dem Herzen zu folgen. Der Verstand sagt immer Nein, aber das Herz, das sagt Ja. Manchmal denke ich über Menschen nach, die so großes geschaffen haben und wenn die nur auf andere gehört hätten, dann wäre z.B. bis heute keine Mondlandung möglich. Also man muss wirklich über seine Vorstellung auch hinausgehen und sich sagen „Ich kann das! Ich schaffe das!“ Niemand hat gesagt, dass es leicht wird oder es auf Anhieb klappt, aber ich glaube, dass der Glaube und der Wille Berge versetzt.

Jacqueline:
Welche deiner Fähigkeiten hat dir am meisten zu deinem Erfolg verholfen?

Susanna:
Durchhaltevermögen, immer wieder aufstehen und weitergehen. Aufstehen, hinfallen, aufstehen, hinfallen, aufstehen. Und mutig sein! Mutig sein und sich nicht mit den anderen vergleichen wollen. So sein wie du bist, das was du bist ist schon das perfekte Paket, weil jeder für sich einzigartig ist. Man sollte im Leben lernen zwischen seinen negativen und positiven Eigenschaften zu unterscheiden. Und die positiven natürlich füttern und das hervorheben und sagen „Das ist das besondere an mir.“

Man muss auch sagen, dass ich auf vieles verzichtet habe. Lange habe ich keinen Partner gehabt bzw. haben meine Partnerschaften nie länger als zwei bis vier Jahre gedauert. Der Beruf war für mich immer an erster Stelle. Bis dato habe ich auf Kinder verzichtet. Ich sage nicht, dass das so sein muss. Es gibt genug Schauspielerinnen, die Kinder haben. Inzwischen wäre ich auch dazu bereit, denn jetzt bin ich auf einem anderen Level als noch vor 20 Jahren. Sonst wäre ich wahrscheinlich nicht mehr in diesem Job.
Außerdem muss ich meiner Mutter danken, weil sie diejenige war, die mich immer unterstützt hat. Ja, immer. Unermüdlich. Das muss sie jetzt nicht mehr tun. Das mach ich jetzt selber. Ich bin sehr ehrgeizig geworden und ich habe nicht mehr so viel Angst. Das heißt ich gehe auf die Leute zu. Man muss formulieren was man möchte. Sonst wissen die Leute nicht was du willst. Und ich bin davon überzeugt, dass man Dinge formulieren muss, damit sie in Erfüllung gehen.

Jacqueline:
Was war dein schönstes Fanerlebnis? Ich hab ja ein bisschen recherchiert und deine Dancing Stars Videos angeschaut. Da hast du von virtuellen Blumen aus Indien oder Portraits aus der Schweiz erzählt.

Susanna:
Für mich war Dancing Stars sicher eine der schönsten Erlebnisse in meiner beruflichen Laufbahn. Das war übrigens etwas, das ich schon jahrelang machen wollte. Zuerst habe ich nicht gewusst wie ich dort hinkomme.
Das Ganze ist passiert, nachdem ich aus Deutschland zurückgekommen bin. Mich kannte in Österreich niemand mehr und ich habe bei einem Talente-Wettbewerb mitgemacht – also ich hab wirklich bei Null wieder angefangen. Ich hab es gemacht und ich hab gewonnen.

Eins führte zum anderen. Der damalige Simpl-Chef, dem das Vindobona gehört, hat mich gesehen und der fand mich ganz toll. Stefano Bernardin, der den Talente-Wettbewerb moderierte, hat mir das verraten. Dadurch habe ich den Mut gefunden, mich bei ihm zu melden und zu fragen, ob er etwas für mich hat. Der hat mir von einer neuen Produktion im Simpl erzählt und gefragt, ob ich mitspielen möchte. Werner Sobotka, der auch ein sehr erfolgreicher Regisseur ist, führte Regie. Das hat sich herumgesprochen und dann hat mich der Peter – Peter Hofbauer vom Metropol – gebeten etwas mit ihm zu machen. Daraufhin hab ich dort etwas gemacht – ein paar Ausschnitte aus meinem ersten Kabarettprogramm. Im Publikum saß Edgar Böhm, der Unterhaltungschef vom ORF. Zu dem bin ich hin gegangen und habe gesagt: „Ich kenne Sie noch aus meiner Kindheit.“ – der hatte eine ganz tolle Kinderbuchsendung und ich fand den immer schon toll. Als nächstes habe ich ihn gefragt, ob ich ihm meine Unterlagen schicken darf. Er sagte Ja und weil ich ihm so gefallen habe, hat er mich dem Wustinger vorgestellt. Als wir uns getroffen haben hat er gefragt, was ich machen will und ich hab ihm gesagt, dass ich gern Dancing Stars machen würde. [lacht verlegen]. So bekam ich ein persönliches Interview bei der Heinrich. Ich hab einfach drauf losgeredet, so wie ich bin und sie fand mich irgendwie ganz witzig und gab mir eine Chance. Und mich kannte niemand! Also das heißt, man hat mich wirklich von der Bühne entdeckt und mir diese unglaubliche Chance gegeben.

Ich wollte mich dem stellen – auch körperlich. In den Videos – beim Training – hat man gesehen, wie ich gelitten habe. Trotzdem habe ich meinen Humor immer behalten und auch Vadim (mein Tanzpartner) hat gesagt, dass ich eine seiner lustigsten Tanzpartnerinnen war. Wir haben wirklich geschwitzt wie ein Schwein und schwer gearbeitet, aber wir haben auch wahnsinnig viel gelacht. Und ich bin halt ein Profi. Das heißt ich weiß, was es heißt abzuliefern. Und ich muss sagen in der zehnten Runde (von zwölf) bin ich ausgeschieden und das war dann auch ok. Zu dem Zeitpunkt war ich schon erkältet und sehr müde. Das hab ich nur niemandem gesagt. Ich wollte kein Mitleid von den Leuten und ich wollte mir nicht die Chance vergeigen doch weiterzukommen. Innerlich habe ich mir aber gedacht, dass es ok ist, wenn ich jetzt ausscheide und so war es dann auch.
Ich war so eine Überraschungskandidatin, weil mich sehr viele schnell in ihr Herz geschlossen haben. Das wichtigste ist, dass du den Leuten in Erinnerung bleibst. Ob du jetzt gewonnen hast oder nicht, ist völlig nebensächlich.
Also das war sicher der größte Fansupport. Und wirklich, mir haben Leute aus Indien geschrieben. Das war ganz lustig, ja. Ich war auch überrascht über diese Reichweite dieser Sendung. Es sprechen mich immer noch Leute auf diese Zeit an. Und das war für mich eine Chance. Weil die Masse hat mich davor nicht gekannt.

Ich wollte immer nach Los Angeles, nach Hollywood. Es hat 45 Jahre gedauert, aber ich war jetzt dort. Und Gott sei Dank war ich JETZT dort. Lange habe ich mit mir gehadert und mir gedacht „Das kostet so viel Geld“ und „Das bringt doch nichts“ und „Naja, was mach ich, dort?“ und „Ich hab Angst.“ Schlussendlich bin ich ganz alleine geflogen. Den Coach hab ich hier in Wien kennengelernt, als er ein Seminar gemacht hat. Er hat immer gesagt „Bitte komm“ und alle meine Freunde und Familie haben gesagt „Bitte fahr.“. Jetzt bin ich so froh, dass ich es gemacht habe. Auch wenn mein ganzes Erspartes drauf gegangen ist [lacht.]. Jetzt weiß ich, dass es nicht unmöglich ist, in Los Angeles oder in Amerika als Schauspielerin zu arbeiten. Man muss nur schauen wie man zu einer Arbeitsgenehmigung kommt. Das ist ein wahnsinniger Behördenaufwand. Das sind Dinge, um die ich mich jetzt kümmern kann.

Als ich dort war, habe ich sogar geweint, weil ich mehr Anerkennung bekommen habe als hier in meinem eigenen Land. Das fand ich ein bisschen traurig, muss ich sagen. Die Amerikaner sind viel offener und nicht so kompliziert. Wenn Leute gut sind, dann reicht ihnen das und es ist egal woher man kommt. Sie sind generell sehr Multi-Kulti eingestellt. Durch Netflix, Amazon, Sky usw. ist im Moment die beste Zeit für Schauspieler. Es wird so viel produziert. Daher werden auch viele Leute gesucht – auch Leute aus Europa. Es gibt genug Filme, wo Europäer, Deutsche oder Österreicher gebraucht werden, weil sie den Akzent mitbringen. Mittlerweile geht es immer mehr darum die Realität zu verkörpern. Das hat mir unglaublich viel Mut gemacht und das werde ich im Hinterkopf behalten.
Ich hatte auch in Deutschland viel Erfolg am Theater. Dort habe ich angefangen und unglaubliche Chancen bekommen. Hier in Österreich hätte ich die nicht bekommen. Das Problem des Österreichers ist, dass er nicht sehr experimentierfreudig ist. Er ist natürlich sehr traditions- und kulturbewusst. Das ist schön, aber man hat’s als Neuling nicht leicht. Die Alteingesessenen werden gefüttert und wenn die gut laufen, dann bleiben sie. Für neue Leute ist kaum Platz. Das ist in Deutschland und Amerika anders.

Jacqueline:
So, eine letzte Frage noch, bevor ich an die Patrizia übergebe. Was ist dein nächstes Projekt? Du hast ja schon unheimlich viel gemacht: Schauspielerei, Theater, Kabarett, ein Buch hast du geschrieben. Was ist dein nächstes Projekt?

Susanna:
Ein Kind zu bekommen. [lacht.] Das ist mein nächstes Projekt. Ich glaube es ist jetzt an der Zeit.
2017 hatte ich einige einschneidende Erlebnisse. Am Beginn des Jahres ging es meinem Hund sehr schlecht. Der war schon damals sehr alt, aber er hat dann noch mehr als ein Jahr gelebt – der Brutus. Im Sommer ist mein Arbeitgeber in Konkurs gegangen. Das heißt ich hab meine Gage nicht bekommen Weil ich noch ein paar Auftritte hatte habe ich mich irgendwie noch über Wasser gehalten. Dann ist meine beste Freundin von heute auf morgen an Bauchspeicheldrüsenkrebs verstorben. Zusätzlich hatte ich noch eine Mitbewohnerin bei mir, die schwerste Alkoholikerin und Bulimikerin war. Das Problem ist, ich kann sie nicht retten. Ich habe wirklich Nächte lang mit ihr diskutiert. Ein Mensch, der nicht einsieht, dass er krank ist und ein Suchtproblem hat, den kann man nicht retten. Der Mensch muss sich immer selbst retten. Man kann ihn unterstützen, aber retten musst du dich selber. Irgendwie gings nicht und ich befürchte auch sie hat bis heute nichts daraus gelernt, aber sie sieht noch immer schrecklich aus.

Dann ist meine Mutter so gestürzt, dass die wirklich ein Monat lang im Spital war. Dreimal am Tag habe ich ihre Katzen gefüttert, alles geputzt und hergerichtet – trotz meiner Katzenhaarallergie. Ich hatte kein Geld und es kamen keine Aufträge rein. Karmisch war das eine furchtbare Zeit. Ich war sogar schon kurz im Begriff ein Engagement in Budapest anzunehmen und für wirklich wenig Geld zu arbeiten. Durch meine Mutter spreche ich auch ungarisch. Aber meine Mutter konnte ich nicht alleine lassen. Da war es auch wieder gut, dass ich beruflich nicht sehr eingespannt war, weil sie mich gebraucht hat. Sie konnte sich nicht bewegen. Natürlich hat sie mich in der Zeit auch unterstützt aber sie hat gesagt, dass ich da selbst wieder rauskommen muss und man will nicht als über 40-jähriger Mensch noch von seinen Eltern unterstützt werden. Man geniert sich für diese Umstände. Das nagt sehr an seinem Selbstbewusstsein.
Dann habe ich wirklich über mein Leben nachgedacht und mir wurde bewusst, dass ich sonst niemanden mehr habe. Ich habe nur meine Mutter. Ist es dieser Job wirklich wert, dass man alles aufgibt? Sein Privatleben? Dass man keine Kinder hat, dass man keinen Partner hat? Ich habe mein Leben lang immer alles alleine gemacht und ich habe gemerkt, dass mir die Kraft ausgeht. Ich musste einfach etwas in meinem Leben ändern. Und dann hat sich Gott sei Dank alles verbessert. Das ging von Herbst 2017 bis Juni 2018. Im Juni 2018 habe ich in Bad Ischl ein Engagement gehabt und da hab ich gewusst, dass es wieder bergauf geht und so war’s dann auch.

Ich weiß noch ganz genau: Ich bin durch den Park gelaufen, in der Nähe meiner Unterkunft in Bad Ischl und hab zum lieben Gott gesagt „also wenn es noch mein Weg sein soll, eine Familie zu bekommen, einen Partner, dann schick mir bitte jemanden, wo das noch realisierbar ist, wo das funktioniert“ und ich schwöre euch – zack, der hat ihn mir geschickt.

Und das beste war: Es war wirklich ein kurzer Moment. Ich hab während der Hauptprobe in dem Orchestergraben geblickt und da grinst mich ein Rotschopf an. [grinst] Mir war klar, dass ich mir den näher anschauen muss. Dann habe ich ihn aber nicht mehr gefunden. Obwohl es wirklich nur ein oder zwei Sekunden waren ist mir dieses Lächeln nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Damals wusste ich nicht, dass der Felix nur Substitut war. Er ist nur für eine Kollegin eingesprungen, weil eigentlich ist er Physiker und Materialwissenschaftler. Er hat aber auch Kompositionslehre studiert und spielt Klavier und Geige. Er kam erst Anfang August wieder. Ich ging aus dem Theater raus und plötzlich sah ich ihn, ich ging wie ferngesteuert auf ihn zu und das erste was ich zu ihm sagte war „Da is er ja!“. Das war so schicksalshaft. Ab dem Zeitpunkt ging alles rasend schnell. Wir haben dieselben Interessen, wir sind sehr glücklich miteinander. Seit dem läuft es – toi toi toi – sehr sehr gut. Ich arbeite so viel wie schon lange nicht mehr.
Ich glaube schon ein bisschen an Law of Attraction. Ich sehe das bei mir. Es funktioniert schon. Ich hab oft manchmal Sachen gesagt „Ich möchte das machen“. Das ist halt oft Jahre später eingetreten. Wir wissen die Zeit nicht wann es eintritt, aber es kommt. Und wie es funktioniert, weiß man oft auch nicht. Aber ich sag euch es gibt Wunder. Es gibt Wunder. Es gibt sie.

Patrizia:
Also, Susanna. Wir haben dein Buch „Sex sells“ gelesen.

Susanna:
Echt? Ihr habt es gelesen?

Patrizia:
[lacht.] Ja und wir wollen zuerst wissen: Was hat dich überhaupt dazu bewegt, ein Buch zu schreiben?

Susanna:
Also ich muss sagen, ich bin jetzt keine typische Feministin. Also keine Agro-Feministin. Ich bin eine weibliche Frau. Ich steh mittlerweile zu meiner Weiblichkeit. Das war nicht immer so und auch ich hadere immer wieder an meiner Optik. Aber das tut jede Frau.

Was mir auf die Nerven gegangen ist: Ich habe gesehen, in welcher scheinheiligen prüden Gesellschaft wir nach wie vor leben und, dass Frauen noch immer, wenn sie offen über dieses Thema sprechen entweder als nymphoman abgestempelt werden oder als frustrierte Weiber.

Auf jeden Fall finde ich, dass eine Frau das Recht hat, sowohl den Sex zu genießen so wie ein Mann als auch, sich das zu nehmen, was sie möchte. Für mich ist das sehr wichtig. Deswegen ist eine Frau jetzt keine Hure oder Schlampe. Wenn jemand nymphoman ist, ist das eine Krankheit. Das ist wieder etwas Anderes. Da muss man das behandeln, aber ich rede jetzt von ganz normalen Frauen. Jede Frau hat unterschiedliche Bedürfnisse. Es gibt Frauen, die wollen öfter Sex. Es gibt Frauen, die wollen nicht so oft Sex. Dies soll man bitte der Frau überlassen und sie nicht immer gleich degradieren. Es geht mir ums Degradieren. Es stößt mir immer auf, dass die Frau in meiner Branche leider immer noch im Vorhinein weniger angeboten bekommt für dieselbe Rolle als ein Mann. Und das sogar von einer Frau. Und da frag‘ ich mich „geht’s noch?!“. Also, eigentlich sollte mehr Solidarität in der Richtung herrschen. Die Frauen sind kritischer untereinander in Bezug darauf, wie Frauen über andere Frauen reden. So würde ein Mann nie über eine Frau reden. Also Frauen reden viel respektloser über andere Frauen. Die Steffi und ich haben das Buch zusammengeschrieben. Sie konnte über andere Dinge reden als ich, weil sie gerade im Wechsel war und auch eine Tochter hat. Darüber kann ich klarerweise noch nicht schreiben, da ich solche Erfahrungen noch nicht gemacht habe.
Ich weiß, wie sich viele Frauen fühlen und mir war es immer ein Anliegen, dass Menschen sich einfach besser fühlen und nicht immer so hart zu sich selbst sind. Ich weiß, dass Frauen darin noch viel schlimmer sind als Männer. Frauen haben ein viel geringeres Selbstbewusstsein oder Selbstwertgefühl manchmal als Männer, dabei sind es wirklich oft tolle Frauen. Und da frag ich mich: Woher kommt das? Warum? Wieso? Wir Frauen sehen immer nur das Negative an uns, aber nicht das Positive. Deswegen habe ich dieses Buch auch geschrieben. Und weil natürlich auch der Verlag gesagt hat: Wollen Sie nicht ein Buch schreiben? (kichert)

Ich wollte immer schon einmal ein Buch schreiben. Jetzt meine Frage an euch, ich bin auch niemanden böse, also ich bin auch sehr froh über jegliche Kritik. Ich finde der Vorteil von dem Buch ist, dass man nicht jedes Kapitel lesen muss. Man kann es sehr durcheinander lesen. Mir war es ein Anliegen, Frauen Mut zu machen oder auch die Dinge ein bisschen humorvoller zu sehen. Wie habt ihr das empfunden?

Patrizia:
Ich war schon sehr gespannt auf das Interview mit dir, weil so wie du schreibst, so stelle ich mir dich als unabhängige, selbstbewusste, leidenschaftliche Frau vor. Deswegen habe ich mir auch ein paar Fragen rausgepickt, die ich dir jetzt ganz gerne stellen will, die auch ein bisschen detaillierter sind.
Also Folgendes: Du schreibst eine Mischung zwischen Arthur Miller und Brad Pitt entspricht deinem Geschmack, Colin Firth trifft´s da ganz gut. Angenommen du hättest die Möglichkeit auf ein Date mit Colin Firth mit guter Aussicht, wie weit würdest du gehen?
Susanna:
(Lange Pause). PUH (Lacht). Also ich muss sagen, ich habe jetzt so einen ähnlichen Typ zuhause.

Martina:
OHH

Patrizia:
lacht

Susanna:
Also nicht ganz wie Colin Firth, aber er ist auch ein englischer Gentleman Typ. Ich habe auch ein Faible für Rothaarige. Es war lustig, noch vor einem Jahr oder vor Monaten, bevor ich Felix kennengelernt habe, habe ich geschaut, ob es eine Dating Website gibt nur mit Rothaarigen. Interessanterweise gibt´s das in Österreich nicht. Mir gefallen zum Beispiel auch Frauen, die rote Haare haben. Ich hatte auch eine Zeitlang selbst rote Haare, aber ich muss gestehen mit blonden Haaren ist es leichter Jobs zu bekommen. Das ist einfach so. (Lacht)

Martina:
Interessant.

Susanna:
Ja, es ist wirklich so. Ich finde rothaarige Frauen und Männer sehr attraktiv. Es gibt Leute, denen das nicht gefällt. Aber ich mag das. Mein Geschmack hat sich verändert, mir gefielen früher eher dunkelhaarige Männer und jetzt finde ich helle sehr attraktiv. Die Ehefrau des Intendanten Spatzek von Parndorf hat einmal gesagt: Dein Freund ist ja wie der Colin Firth. (Alle lachen) Ja, meiner hat einen Dreitagesbart. Colin Firth ist jetzt geschieden, er hat sich von seiner Frau getrennt. Ich finde, es ist wahnsinnig wichtig, wie das ist, wenn der Mann seinen Mund aufmacht. Ich habe auch im Buch geschrieben, dass ich wirklich schöne Männer kennengelernt habe, die auch Models waren. Ich will jetzt nicht alle Models über einen Kamm scheren, ich war auch einmal mit einem zusammen. Aber es gibt welche, da verzieht sich meine Libido in die Bauchhöhle, wenn sie den Mund aufmachen.

(Gelächter) Wenn mich Colin Firth jetzt also anrufen würde, glaube ich schon, dass ich auf ein Date gehen würde. (alle lachen)

Patrizia:
Also du würdest gehen und wie weit würdest du gehen?
(Pause).

Susanna:
Naja, schwierig, ganz schwierig. Weißt du, man muss sich dann schon überlegen, ob es das wert ist. Ich glaube, schwierig wird es wirklich bei Versuchungen. Da spielt es keine Rolle, ob das der Colin Firth ist oder der Nachbar von nebenan, der etwas an sich hat, das dich interessiert. Man muss zwischen Strohfeuer und sexueller Anziehung unterscheiden bzw. ob es der Mensch fürs Leben sein könnte. Als Felix mich damals kennengelernt hat, war er noch in einer Beziehung, die schon sehr am Bröckeln war. Er hatte ein schlechtes Gewissen, was auch für ihn spricht und er hat es sich nicht leicht gemacht. Ich habe mich gefragt: Geht es mir jetzt wirklich um den Mann, oder geht es mir um das Gewinnen. Über eine gemeinsame Freundin kam er zu diesem Festival und war ganz durcheinander. Er hat gesagt, dass es richtig BÄHM gemacht hat. Ich habe mich bei meiner Freundin ausgeheult und gesagt, das ist der Mann meines Lebens. Ich möchte ihn heiraten und mit ihm Kinder haben. Das hatte ich nicht bei jedem Partner. Es gilt zu unterscheiden, ob es hier ums Ego, um sexuelle Lust, um Bestätigung geht, oder ob man mit dem Menschen wirklich sein Leben verbringen möchte. Ich habe mich sehr geprüft damals, worum es hier mir wirklich ging.

Patrizia:
Inwiefern hat dich das Statement von deinem Vater „Jetzt musst du schon schauen, dass du dir einen findest, weißt du für deine Zukunft, damit du eine Stabilität in dein Leben kriegst“ zu der Frau gemacht, die du heute bist?

Susanna:
Also prinzipiell von meinem Vater Ratschläge anzunehmen ist für mich weit entfernt, da ich zu meinem Vater ein sehr schwieriges Verhältnis habe. Ich hatte über 30 Jahre keinerlei Kontakt mit ihm. Man kann jetzt nicht als Mann oder als Vater irgendwelche Ratschläge geben, wenn man das Kind jetzt gar nicht mit aufgezogen hat und nichts dazu beigetragen hat. Er war an der Zeugung beteiligt, aber hat sich leider nie als Vater nützlich gemacht. Auch jetzt nicht dahingehend, dass ich mich bei ihm ausheulen könnte oder eine starke Schulter hätte. Mein Vater hat leider immer den bequemen Weg gesucht und denkt leider nur an sich. Man darf dabei nicht vergessen, aus welcher Gesellschaftsschicht er kommt, aus welcher Erziehung. Das spielt immer eine große Rolle.
Ich finde nicht, dass man nur dann ein Leben hat, wenn man eine Ehe führt und ein Kind hat. Das soll jeder Frau bitte selbst überlassen sein. Sie ist nicht minder Frau, wenn sie nicht heiratet oder keine Kinder kriegt. Als konservativ gestrickter Mensch, möge man bei mir gar nicht glauben, aber es ist so, sind mir schon gewisse Werte und ethische Dinge sehr wichtig. Mir sind der respektvolle Umgang, eine gewisse Wertschätzung und Höflichkeit den anderen gegenüber sehr wichtig. Von meinem Vater habe ich schon diverse Ratschläge und lauter Blödsinn gehört. Das geht bei einem Ohr bei mir rein und beim anderen wieder raus. Ich muss auch sagen, dass sich unser Kontakt sehr dezimiert hat, also ich wüsste auch gar nicht, worüber ich mit ihm reden soll.

Patrizia:
Auf einer Skala von 1 bis 10, wie sehr fühlst du dich in deiner jetzigen Beziehung angekommen?
Susanna:
Einen Punkt gibt es noch der fehlt, also würde ich sagen, wir sind bei einer 9. Der eine Punkt hat mit der beruflichen Situation zu tun. Die Corona Umstände machen dies nicht unbedingt leichter. Es sind diese typischen Existenzängste. Felix bewirbt sich jetzt auch bei verschiedenen Firmen in der Forschung etc. Solange wir nicht wissen, wo er landet, bin ich schon etwas unrund. Er hingegen bleibt immer chillig, aber ich werde schnell ein bisschen unrund.
Patrizia:
So wir sind jetzt nun am Ende. Bitte vervollständige die letzten Phrasen vom Blitzlicht.
Ich wollte schon immer mal auf der Bühne stehen mit

Susanna:
(Pause) Elizabeth Taylor, aber leider ist sie schon tot.

Patrizia:
Das Glas ist

Susanna:
(Pause) schön.
(Gelächter)

Patrizia:
Ich liebe es,

Susanna:
gut zu essen

Patrizia:
Ich verachte, wenn Menschen

Susanna:
grausam sind
Patrizia:
Womit ist Susanna Hirschler bestechlich?

Susanna:
Mit Geld (lacht)

Patrizia:
Was ist dein Lebensmotto?

Susanna:
Nicht aufgeben. Sei wie du bist. Lebe dein Leben intensiv. Du hast nur dieses eine Leben.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde von uns angehenden Profilern stellte sich dann unser Interviewpartner Johnny Matrix vor:

Mein Name ist Johnny Matrix. Ich heiße wirklich so. Seit einigen Jahren ist das jetzt offiziell. Vor 6 oder 7 Jahren habe ich dies ändern lassen. Seit 2002 bin ich beruflich Musikproduzent, Komponist und Musikverleger. Also seit fast 18 Jahren. Wohnhaft bin ich in Niederösterreich, mit meiner Familie, in der Nähe von Baden bei Wien. Es ist recht schön, ruhig und auch nicht so weit vom Flughafen entfernt, wenn jemand kommt. Jetzt weniger, leider (Anmerkung: auf Grund von Corona).
Wie gesagt, ich mache das seit 18 Jahren und ich schreibe und produziere Musik, für internationale Künstler, für TV-Sendungen, für Werbung, TV-Werbung, für internationale Unternehmen, die Branding-Musik brauchen. Also eigentlich alles, wo Musik und Audio eine Rolle spielen. Ich habe bis jetzt circa 700 Songs produziert, veröffentlicht und auch geschrieben. Ich habe allein in Österreich circa 1000 Air Plays im Jahr und das sind die kleinen Mosaiksteinchen, die ein großes Ganzes ergeben. Und ja, das beschreibt meinen Tätigkeitsbereich.

OK, Dankeschön. Wir haben ein paar Interviewfragen vorbereitet und die würden wir Dir nun gerne stellen. Das erste was wir gerne wissen wollen ist, wie bist du zur Musik gekommen?

Also eigentlich ist die Musik zu mir gekommen. Für mich war das normal. Als ich 5 Jahre alt war, bin ich im Auto hinten bei meinen Eltern gestanden, also ich war noch sehr klein. Ich habe mitgesungen bei dem, was im Radio zu hören war und habe mir gedacht, das kann man besser machen. Ich habe da schon meine eigenen Linien gesungen. Ich habe aber geglaubt, das ist ganz normal- das kann doch jeder. Ich bin auch überhaupt nicht Notenaffin. Ich hab überhaupt nichts mit Noten am Hut. Bei mir entsteht alles im Kopf wenn ich komponiere – ich hör das einfach. Ich habe zum Beispiel auch für „The Voice of Germany“ und die ganzen großen Casting-Shows gearbeitet und was dir sonst angeboten wird. Du musst die Musik für ein Produkt schreiben, da habe ich Sekunden später schon das Lied im Kopf und kann das umsetzen. Das war eigentlich schon so seit ich klein war. Also so gesehen war mein Weg ein bisschen vorgezeichnet, ich wollte eigentlich schon immer genau das machen. Einmal hatte ich eine kurze Schwächephase und wollte Nationaltorhüter werden (und lacht). Dafür bin ich aber ungefähr 60 cm zu klein. Ich habe es aber trotzdem bis zur U15, also unter 15 Jahren bei einem Bundesligaverein geschafft. Aber ich bin dann wieder zurück zur Musik. Die Musik hat mich also schon immer begleitet seit ich klein war. Ich habe das dann immer weiter verfolgt und dann maturiert, irgendwann einmal. Ich hatte den Entschluss Musikproduzent zu sein und ich hatte keine Ahnung von irgendwas. Meine Eltern hatten keine Freude mit mir. Die wollten, dass ich Anwalt werde, oder so – irgendwas Gescheites – wie halt alle Eltern. Und so gesehen hat es dann nochmal 10 Jahre gedauert, bis ich es geschafft habe, davon leben zu können. Jetzt mache ich es seit fast 18 Jahren.
Da kann man sich jetzt mein Alter ausrechnen.

Wie sieht das genau aus – also wie entsteht ein üblicher Arbeitsauftrag?

Musikproduzent und Komponist sind 2 Paar Schuhe. Ich bin ja ganz oft nur der Komponist eines Songs und jemand anderer produziert ihn. Oder ich werde beauftragt, einen Song zu produzieren. Einen Produzenten kannst du vergleichen mit einem Regisseur beim Film. Ein Produzent ist für die musikalische, technische und kreative Umsetzung verantwortlich. So, dass aus einer Idee ein markttaugliches und möglichst erfolgreiches Produkt entsteht. Und wie ich gesagt habe, Komponieren ist für mich ganz leicht. Da brauche ich nicht lange dafür, das können Sekunden sein oder Minuten oder eine Stunde. Aber das Produzieren dauert halt. Da gibt es ganz viele Arbeitsschritte im Studio. Das kann eine Woche oder auch einen Monat dauern bis es so umgesetzt ist, dass man mit den Großen mitspielen kann, oder dass es diese Qualität hat, damit man es im Radio hören kann. Wenn ich produziere, bekomme ich die Aufträge vom Management, Plattenfirmen, Werbeagenturen, TV-Sendungen- je nach dem, was ich damit machen soll. Und ab und zu, wenn es die Zeit zulässt, mache ich auch Projekte in Eigeninitiative. Da setzt man sich halt hin und konzeptioniert. Wie sieht der Zielmarkt aus, wer ist das Zielpublikum. Davon anhängig macht man dann am Reißbrett die Musik. Das kann auch Filmmusik sein. Ich habe auch schon fürs Fernsehen Musik geschrieben. Das sind alles ganz verschiedene Sachen, also von der Casting-Show bis zum Richard Lugner (und lacht), oder die „Eis am Stiel“ Filme. Je nachdem, was der Markt braucht. Du kannst für „Eis am Stiel“ keine Oper schreiben, dieser Film braucht einen Ballermann-Song. Es ist ein Asset von mir, hoffe ich zumindest, jedem das zu geben was er braucht. Ob es dann erfolgreich wird oder nicht, das entscheiden andere Faktoren. Du musst zumindest erst einmal die Musik so gut machen und das Produkt muss so gut sein und so markttauglich sein, dass es zumindest eine Chance hat. Ob es dann erfolgreich ist, hängt ab von der Viralität. Wie viral geht das Ganze dann über die sozialen Medien zum Beispiel. Vor 10 Jahren war das Ganze noch anders. Das gesamte Marketing war anders. Heute kannst du über die sozialen Medien sehr viel erreichen. Es kostet nix. Vor 10 Jahren war es unbezahlbar. Die Zeiten ändern sich. Du musst immer mit der Zeit gehen und musst immer schauen, dass du dich der Zeit anpasst. Du musst immer vorausdenken, sonst gehst du unter.

Welche Faktoren müssen erfüllt sein, damit ein Hit ein „Nummer 1“ Hit wird?

Ja, wenn ich das wüsste wäre ich viel erfolgreicher. Es ist ganz oft so, speziell in der heutigen Zeit, da gibt es speziell auf Social Media oder auf YouTube Leute, die eine sehr große Reichweite haben. Diese Leute haben mit Musik eigentlich gar nichts am Hut. Wenn sie zum Beispiel einen Song aufnehmen, gehen diese Personen auf Grund der Reichweite sofort in die Charts. Auf der anderen Seite werden viele Millionen Dollar von den großen Plattenfirmen reingesteckt, bei Lady Gaga zum Beispiel, und dann kann es passieren, dass es dann trotzdem nicht funktioniert.
Generell kann man sagen, dass es heutzutage ein Überangebot gibt. Das ist auch inflationär in Wirklichkeit. Es ist schwer aus der Masse heraus zu stechen. Es gibt leider kein Rezept. Wenn ein Produkt sehr gut gemacht und produziert wurde, also die Qualität gut ist, ist das vielleicht ein Vorteil. Aber wenn´s keiner hört bleibt er in der Schublade liegen. So gesehen ist es heute wichtig für Künstler, eine große Socialmedia- Followerschaft zu haben. Das verstärkt die Chancen, zumindest gehört zu werden. Es gibt heutzutage auch keine Musikverkäufe mehr im eigentlichen Sinn. Die Charts errechnen sich aus Streaming. Mit Streaming an sich ist es jedoch für einen Künstler sehr schwer, etwas zu verdienen. Das heißt, heute ist es das Ziel einen Hit zu haben, einen großen Hit zu haben, einen großen Streaming Hit. Dadurch werden auch die Verkaufscharts errechnet. Und erst mit dieser Aufmerksamkeit kannst du als Musiker Geld verdienen. Der Hit ist eigentlich Mittel zum Zweck. Geld verdienst du dann mit Merchandising oder mit Sync. Sync heißt, dass der Song mehrfach ausgewertet wird. Wenn ein Song öfter gespielt wird, wird er dann auch interessant für die Werbeindustrie. Damit kannst du auch Geld verdienen. Das ist bei der Helene Fischer im Schlagerbereich auch so. Jeder sagt, sie verdient pro Auftritt so viel. Das stimmt ja auch. Doch das Geld gehört ihr ja nicht alleine. Da verdienen noch 30 andere mit. Weil das der einzige Weg ist gut zu verdienen. Früher waren es die Verkäufe mit denen du gut verdient hast. Heute brauchst du die Aufmerksamkeit, um Einnahmen zu generieren. Ich als Produzent bekomme pro Auftrag ein Budget. Wenn ich zusätzlich noch Autor und Komponist bin, so erhalte ich zusätzlich noch AKM/ GEMA. Ich habe das Glück, dass meine Songs sehr oft gespielt werden, weltweit. Das ist pro Play sehr wenig, eigentlich lächerlich. Aber wenn du international gespielt wirst, oder im Radio, oder auch eine Werbung von dir läuft, dann kommt schon ein bisschen was zusammen. Dies sichert dir die Existenz der Firma. Doch prinzipiell, um auf die Frage zurück zu kommen- es gibt kein Rezept. Das wissen auch die ganz großen Firmen. Wenn es nicht angenommen wird oder nicht durchdringt, dann bleibt es halt liegen.

Gibt es eine Art „Drehbuch“, wenn Du einen Song schreibst oder komponierst?

Das ist eine sehr gute Frage. Ich schaue immer auf den Zeitgeist. Also was gerade „In“, ist. Auf das musst du schauen, ansonsten bist du verstaubt. Gleichzeitig weiß ich aus Erfahrung, welche Chores funktionieren können und welche Sounds gerade aktuell sind. Wenn man das alles in die Waagschale wirft, dann hast du Ingredienzien. Diese entstehen aus dem Gefühl heraus, aus der Erfahrung. Aber natürlich weiß ich auch, was musikalisch funktionieren wird, oder was schon mal funktioniert hat. Mein Anspruch ist es nicht irgendwas neu zu erfinden, sondern die Leute zu unterhalten. Also ich möchte, dass die Musik die ich mache nicht nur meine Oma hört, sondern im besten Fall ganz viele Leute erreicht. Wie du schon richtig sagst, da kann man schon schauen ob es eine Formel gibt. Es haben schon genug Musikwissenschaftler versucht aus besonders erfolgreichen Songs eine Formel heraus zu rechnen. Da gibt es durchaus Gemeinsamkeiten. Also wenn man die umsatzerfolgreichsten Songs der 2000er bis jetzt vergleicht, die in der Regel immer von den gleichen produziert wurden, da erkennst du sehr wohl, wie lang die Strophe sein muss, wie lange das Intro, und wie oft der Refrain kommen muss und so weiter. Und heute in der Spotify-Zeit, wo alles gestreamt wird und die Aufmerksamkeitsspanne der Leute immer geringer wird, werden die Songs zum Teil auch viel kürzer. Heute ist Spotify das Hauptmedium zum Konsumieren von Musik. Es ist das meistgenutzte Streaming – Medium. Die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen wird immer kürzer, und Spotify rechnet erst nach 30 Sekunden ab. Also wenn jemand einen Song 10 Sekunden hört und nach 10 Sekunden abbricht, dann ist dies sehr schlecht für das Ranking bei Spotify. Der Song sackt immer mehr nach unten und man findet ihn gar nicht mehr. Darum ist es aktuell ein Trend, dass Songs immer kürzer werden, man sich auf das wesentliche konzentriert, weil die Leute Menschen einfach Angst haben, dass man bei Spotify gekippt wird. Angeblich werden in 10 Jahren – ich weiß nicht ob es stimmt – die Songs nur noch 1 ½ Minuten lang sein. Um auf die Frage zurück zu kommen, ich mache es noch so, dass ich meine Sachen die schon mal funktioniert haben mit Gespür mische und mit dem Sound der heutigen Zeit kombiniere. Also ich höre mich in aktuelle Produktionen rein, klar, du musst ja auch mithalten. Internationale Produktionen haben auch viel mehr Budget als die, die ich produziere. Und der Song muss trotzdem gut klingen. Die Songs werden hintereinander auf Spotify oder im Radio gespielt. Wenn meiner schlechter klingt, dann kann ich sicher nicht die Ausrede gelten lassen, dass ich halt weniger Budget hatte. Gerade wenn du weniger Budget hast musst du besonders kreativ sein.

Wer gibt die Trends in der Musikbranche vor? Wer entscheidet, was gerade gehört wird und was modern ist?

Verbreitet werden die Songs über die Medien. Wenn der normale Konsument etwas hört und es immer wieder hört, dann glaubt er, dass es gut ist. Aber gerade in der heutigen Zeit sucht jeder nach einer Formel, dass Songs immer „neu“ klingen. Es wird sehr viel experimentiert. Es gibt sehr viele Crossover-Nummern. David Getta zum Beispiel. Da ist eine Strophe, die wie eine Ballade klingt und der Refrain ist wieder Dance. Jeder sucht nach einer neuen Formel. Trotzdem klingt vieles sehr gleich. Wenn irgendwas annähernd erfolgreich ist, dann machen es alle anderen nach. Trotzdem gibt es dann immer wieder einen Ausreißer von Leuten, die sich um den Mainstream gar nicht so kümmern. Im „Underground“ entwickelt sich oft unabsichtlich ein massenkompatibler Hit. Weil dieser interessant klingt und aus der Masse herausragt, ganz ohne viel Werbung und nur durch Socialmedia. Und dann machen wieder alle genau das nach. So ist das immer wieder. Das ist ja auch bei den Schlagerproduktionen so. Heute klingt das alles sehr modern produziert.

Hat man als Produzent Angst davor, ein One-Hit Wonder zu produzieren?
Ja, also die Angst hätte ich gerne. Ich hätte sehr gerne, einen solchen One-Hit-Wonder-Hit. Früher in den 70iger/ 80iger Jahren, wenn du einen One-Hit hattest, so hast du komplett finanziell ausgesorgt gehabt, also wenn du dich nicht komplett ungeschickt angestellt hast. Also so gesehen hätte ich gerne einen One-Hit, also einen weltweiten großen Hit den jeder kennt. Insofern habe ich da überhaupt keine Angst. Ich mache ja auch sehr viele Sachen gleichzeitig und freue mich, wenn da mal etwas mehr funktioniert. Das musst du in der heutigen Zeit auch machen, du musst breit aufgestellt sein. Ich mache jetzt nicht einen Song und verlass mich drauf, dass dieser funktioniert. Ich mache ganz viel. Da ist mal eine Werbemusik, mal ein Schlagersong, dann mal eine internationale Kooperation. Ich bin auch sehr viel in anderen Ländern unterwegs. Ich werde von Musikverlagen nach Turin, nach London und Berlin eingeladen und tausche mich da mit anderen aus. Ich schreibe auch sehr viel im Ausland mit anderen und kreiere neuen Content. Es ist ganz wichtig, sich mit anderen zu vernetzen. Wenn du nur alles alleine machst, dann kommen früher oder später nur noch Wiederholungen und du bist nicht mehr trendy. Wenn du aber über einen langen Zeitraum Musik machst und davon leben willst, dann geht das nur, indem du mit anderen, die eben auch am Puls der Zeit sind, im Austausch bist. Das machen auch die supererfolgreichen Musikproduzenten wie der Max Martin, der als der erfolgreichste Produzent der Welt gilt und der seit circa 20 Jahren super erfolgreich ist. Doch es ist so, dass auch er sich mit jungen Leuten umgibt die aufstrebend sind, sich austauscht und dadurch frisch bleibt. Aber Angst vor dem One Hit…, ich hoffe, er kommt noch. Ich würde es mir sehr wünschen.

Auf welches Projekt bist Du besonders stolz?

Tja, das ist ganz unterschiedlich. Vor 20 Jahren zum Beispiel war es für mich unvorstellbar, dass meine Musik mal im Radio gespielt wird. Als das dann mal passiert ist, da dachte ich, ich bin der Schneekönig. Jetzt ist es aber so, dass meine Musik über 1000-mal im Jahr im Radio gespielt wird, allein in Österreich. Da freut man sich drüber, aber es ist nichts Besonderes mehr. Oder als meine Musik das erste Mal in einem Hauptabendprogramm gespielt wurde, das hat mich auch sehr gefreut, oder als ich meine erste Goldene bekommen hab. Ich war immer zufrieden mit dem was schon war. So gesehen gibt es immer neue Ziele. Ich habe mich immer über erreichte Ziele gefreut: die erste Goldene, das erste Mal in den Top10 der Charts, oder auch da, wo ich mit beteiligt war. Vor vielen Jahren hab ich mich gefreut, als ich das erste Mal auf einer CD meinen Namen gesehen habe. Jetzt sind das schon viele Hunderte. Man erinnert sich gerne an das Glücksgefühl zurück. Man überlegt, was es ausgelöst hat, weil es immer wieder Ansporn ist, um neue Ziele zu erreichen. Den einen Moment, an den ich mich am liebsten zurückerinnere, den gibt es eigentlich nicht. Es gibt aber ganz viele, an die ich mich gern erinnere und sage, o.k. es war super. Und wenn man mal nicht so gut drauf ist, so denkt man gerne zurück und erinnert sich daran, was schon alles passiert ist. So gesehen ist das immer eine Motivation weiter zu machen und Gas zu geben.

Was wäre denn Dein größeres Ziel?

Ich bin ja eine Firma. Und als Firma muss ich schauen, dass ich mich durchschlängele um weiter zu wachsen, vom Umsatz her zu wachsen oder mit immer größeren Künstlern zu wachsen. Früher war es so, dass jeder mit großen Künstlern arbeiten will. Die meisten scheitern daran, weil du einfach nicht Teil von diesem Mechanismus bist. Das ist eine geschlossene Gruppe. Ich kann nicht daherkommen und sagen, gib der Helene Fischer einen Song von mir. Das ist unrealistisch. Egal wie gut der Song ist, ich bin nicht Teil des Mechanismus in dem die Helene Fischer eine Rolle spielt. Ich habe jetzt im Dezember noch eine Werbeagentur gegründet mit dem Schwerpunkt Digital Business, um die Säulen Musikproduktion und Digital Business zu fusionieren. Auch um breiter aufgestellt zu sein und auch um fixe Mitarbeiter zu generieren. Eines meiner Ziele ist es, in der Werbeindustrie- in der Werbemusik tätig zu sein. Da hab ich jetzt ein bisschen Blut geleckt. Ich habe Musik für eine große Werbung gemacht. Ich darf nur den Namen noch nicht sagen, weil das noch nicht im Fernsehen war. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und das ist auch was Neues für mich. Es ist ein Ziel, da würde ich gern mehr machen in Zukunft. Gleichzeitig aber auch das Digitalbusiness aufbauen, weil Digitalisierung ist ja eines der großen Schlagwörter der Zukunft und damit kenne ich mich auch gut aus. So gesehen gibt es da noch viele Dinge, die auf meiner Agenda stehen. Die jetzige Situation (Anmerkung: Corona) hat auf mich wirtschaftlich keinen Einfluss, weil ich das schon lange genug mache. Es betrifft mich persönlich nicht, aber ich sehe es bei anderen, wie schnell es aus sein kann. Der Markt wird ein anderer sein, obwohl das ja nur 2 Monate gedauert hat. Es sind leider ganz viele Kollegen ausradiert und man muss schauen, wie es weiter geht. Aber ich bin zum Glück breit genug aufgestellt und es ist genug in den letzten Jahren passiert. Also ich werde es überleben. Und darum möchte ich betonen, wie wichtig es ist, vorauszudenken und sich nicht auszuruhen.

Inwieweit spielt Musik für Dich im privaten Bereich eine Rolle?

Früher ist es mir sehr schwergefallen privat Musik zu hören, weil ich alles analysiert habe. Sobald ich ein Lied höre, kann ich in meinem Kopf auslesen, wie viele Spuren spielen da, wieviel Instrumente sind da 30 oder 50, wie sehr ist bei dem Sänger geschummelt worden, welche Tricks wurden angewendet. Heute bin ich etwas lockerer geworden und kann Musik durchaus privat genießen. Da höre ich auch alles quer durch. Ich bin ein so genanntes „Kommerzschwein“- ich bin also sehr kommerziell orientiert. In Wirklichkeit interessiert mich alles. Und natürlich beeinflusst das auch meine Arbeit- unbewusst. Ich versuche durchaus, meinen Horizont zu erweitern und auch ausgefallenere Dinge zu hören. Das fließt dann natürlich auch alles in meine Arbeit ein.

Gibt es eine Person, die Dich besonders beeindruckt hat?

Ja, da waren wirklich sehr viele dabei. Natürlich habe ich auch schlechte Erfahrungen gehabt, wie jeder Mensch. Aber die meisten Erfahrungen waren sehr positiv. Es ist schwierig jemanden herauszupicken. Ich kann nur so sagen, weil der Name ja auch schon gefallen ist und er ja auch kein Sänger ist. Ich hatte von ihm zuvor auch ein ganz anderes Bild. Ich hatte vor 10 Jahren einen ganz großen Hit mir Richard Lugner. Ich kannte ihn auch nur aus den Zeitungen und man mag ihn sehen wie man will. Meine Erfahrung war positiv. Er war immer pünktlich, immer top angezogen, super verlässlich super professionell. Ich hätte das nie geglaubt, auch wenn er natürlich nicht singen kann. Aber es war trotzdem ein großer Erfolg in Österreich in den Verkaufs-Charts. Er war damals schon 78 Jahre alt. Er hatte auch gesagt, das, was er im Fernsehen macht, ist ein riesengroßer Blödsinn. Es ist nur, damit er Aufmerksamkeit hat. Er war wirklich ein seriöser Mann von der alten Schule, ein ganz netter und sehr disziplinierter Mensch. Er war sogar einer der diszipliniertesten die ich jemals kennengelernt habe. Er war sich nicht zu schade diesen Song zu singen. Er hat damals mehrmals im Monat, singend mit Lederhose in ganz Österreich auf der Bühne gestanden. Natürlich hat er auch viel Geld dafür bekommen. Er hat mich tatsächlich sehr überrascht. Aber natürlich nicht nur der Herr Lugner. Ich wüsste jetzt nicht, wen ich sonst noch herauspicken soll. Jeder hat seine Lebensgeschichte. Man muss aber sagen, es gibt oft Beispiele, wo man als Produzent wie ein Psychologe oder wie ein Vater sein muss, auch um die Künstler lenken zu können. Also intuitiv- und das kann ich glaube ich ganz gut- wenn ich jemanden zum ersten Mal sehe, ihn richtig einschätze und ich dann weiß, wie muss ich mit ihm umgehen. Trotzdem ist es oft so: man muss mit den Leuten so wie ein Vater mit seinem Kind reden, dass er sich wohl fühlt. Künstler sind oft sehr verwundbar. Wenn da irgendwas Falsches passiert und der sich nicht wohl fühlt, bringt der keine Leistung. Das ist auch sehr Energie aufreibend. Wenn du das nicht machst, so hast du den nicht unter „Kontrolle“. Wichtig ist, dass man richtig mit den Leuten umgeht. Sonst fällt mir im Moment keiner ein. Ich habe schon sehr viel gemacht, von den Dschungelstars bis hin zum singenden Fußballer, bis zum internationalen Künstler. Bei ganz vielen großen Dingen war ich der Ghost Producer, das heißt, mein Name wird nicht genannt. Viele große Produzenten produzieren in Wirklichkeit gar nicht selbst. Diese haben ihre Ghost Producer, die die eigentliche Arbeit machen und natürlich Geld dafür bekommen, aber dafür nicht genannt werden. Der andere bekommt dann die Lorbeeren und das eigentliche Geld für den Verkauf usw. Man bekommt viele Eindrücke, die man sonst nicht erlebt. So gesehen habe ich schon viel private Zeit mit den verschiedensten Leuten erlebt und viel mitgenommen.

Was liebst Du an Deiner Arbeit?

Grundsätzlich liebe ich sie sehr. Es ist ein großes Privileg davon leben zu können und eine Freiheit zu haben, die viele andere nicht haben. Das Größte ist für mich die Freiheit. Natürlich muss ich viel machen, doch ich kann mir das im Prinzip frei einteilen. Als Firma muss natürlich immer Geld irgendwo herkommen. Ich muss immer akquirieren. Seit 18 Jahren geht das gut und immer besser. Ich bin dankbar, dass ich das schon so lange machen kann. Musik spielt eine große Rolle, seit ich ganz klein war. Es gab auch Zeiten, wo dies unerreichbar weg war. Ich musste schauen, dass ich was anderes mache. Wie sollte ich da Geld verdienen und noch dazu regelmäßig. Jeder Verwandte weiß es besser was funktioniert und was nicht. Das ist heute natürlich schön. Die Leute, die damals nicht an den Erfolgt geglaubt haben, die gesagt haben was geht und was nicht geht und auch gelacht haben, die haben aufgehört zu lachen, als die ersten Ergebnisse da waren. Viele bewundern das jetzt. Nicht mal meine eigenen Eltern hätten geglaubt, dass mir das gelingt. Die haben mit Musik nichts zu tun. So gesehen spüre ich da große Dankbarkeit dem Leben gegenüber und dass ich so viele skurrile Dinge erleben durfte. Die persönliche Freiheit kann man nicht genug schätzen. Ich bin mein eigener Chef und ich bin mit mir als Mitarbeiter sehr streng. Das ist vielleicht auch ein Grund, dass ich das schon so lange machen darf. Wenn ich jetzt einen anderen Chef hätte, dann weiß ich nicht. Das hatte ich nur ganz zu Beginn mal, vor über 20 Jahren und nur für ganz kurze Zeit. Das war die einzige Zeit wo ich angestellt war. Und jetzt seit 18 Jahren bin ich voll selbstständig.

Was würdest Du Deinem Jüngeren Ich für einen Tipp geben?

Das denke ich mir oft. Ich musste erst zu einem Geschäftsmann werden. Ich war eigentlich immer der Künstler und bin zu Beginn sehr blauäugig an viele Projekte heran gegangen. Das wurde sehr oft ausgenutzt, also ganz zu Beginn, vor langer Zeit. Weil ich das Ganze einfach aus Liebe zur Sache gemacht habe. Einfach weil die mein Talent erkannt haben und sich natürlich die Kohle eingesteckt haben. Ich war damals froh, Teil des Ganzen zu sein. Daher würde ich mir heute den Tipp geben, vom Anfang an ein Geschäftsmann zu sein. Mittlerweile kenne ich mich gut aus, ich mach das ja schon lange genug. Ich hätte mir selbst den Tipp gegeben, mich vor Wölfen zu schützen oder diese Leute einfach schneller zu erkennen. Heute kann man mir nur sehr schwer etwas vormachen, weil ich jeden kenne der eine Rolle spielt- zumindest in meinem Bereich und in den unterschiedlichsten Ländern. Natürlich habe ich auch Lehrgeld im wahrsten Sinne des Wortes gezahlt.
Ein zweiter Tipp, den ich mir geben würde ist, mich mehr zu trauen. Damals habe ich lange überlegt, ob ich etwas mache oder nicht. Springe ich ins kalte Wasser oder nicht. Aber eine Persönlichkeit muss sich erst entwickeln. Solange dieser Pfeil schön nach oben geht und sich immer weiter entwickelt, ist es ok. So gesehen bin ich nicht unzufrieden mit mir selber wie das damals alles gelaufen ist, weil es eine Lernerfahrung ist. Diese 2 Tipps hätte ich mir also gegeben. Trau dich mehr und glaub nicht alles und jedem. Das sind auch die Dinge, die ich heute den jungen Leuten sage, wenn die zu mir kommen. Sie sind noch zu unerfahren, haben vom Geschäft überhaupt keine Ahnung. Das erste was ich erzähle ist, was mir schon alles passiert ist und worauf man aufpassen muss. Weil viele Künstler haben überhaupt keine Ahnung, sie sind einfach nur ein Talent und werden ausgenutzt, ausgenommen und wie eine Ware weggeworfen.

Wie verbindest Du Beruf, Familie und Freizeit?

Nach außen hin schirme ich das Familienleben komplett ab. Über mich privat weiß man nichts. Von meiner Tochter gibt es weder Bilder noch sonst irgendwas auf Facebook. Andere machen sowas ja ganz gern, doch vom mir gibt es überhaupt nichts. Auch nicht von meiner Partnerin. Ich versuche das Familienleben komplett außen vorzulassen, Wenn es für mich beruflich nicht so wichtig wäre, wäre ich auch nicht auf Socialmedia. Weder Facebook, noch Instagram. Ich mache es nur wegen der Musik und um meine Person ein bisschen zu vermarkten. Aber natürlich hat ein kleines Kind Einfluss auf das Leben. Es ist ja auch was Schönes und es ist das größte Geschenk und der größte Erfolg bis jetzt. Mich freut auch, dass die Kleine in meine Fußstapfen tritt. Sie scheint sehr musikalisch zu sein, auch die Mama ist sehr musikalisch. Wenn man ein Kind hat denkt man noch einmal ganz anders über verschiedene Sachen nach. Deshalb habe ich jetzt das Gefühl, dass mein Weg erst so richtig begonnen hat. Es ist ein gewisses Plateau erreicht, wo ich einen gewissen Ausblick hab und evaluieren kann, wie es weiter geht. Das sind Dinge, die das Kind verursacht hat. Jetzt gilt es alles doppelt so gut zu machen. Jetzt ist der Papa nochmal gefordert.

Produzierst Du auch Hörbücher?

Genau, ich habe auch Hörbücher produziert. Erst unlängst habe ich mit 2 großen Netzwerkern etwas zusammen gemacht. Wir waren in Venedig und haben ein Hörbuch über Venedig produziert. Das war wirklich super und da haben wir echt aus den Vollen schöpfen können. Ich habe tatsächlich die Tauben aufgenommen am Markusplatz. Wir haben die ganzen Geräusche aufgenommen, die Kirchenglocken. Die 2 haben ein Buch geschrieben über Venedig, einen Reiseführer. Das ist ein ganz besonderer Venedig-Führer. Hörbücher machen mir ganz toll Spaß. Ich habe schon sehr viele produziert. Und das ist es auch, was mir Spaß macht. Es ist alles breit gefächert. Wenn ich den ganzen Tag nur Schlager produziere, dann wär mir das zu eintönig. Und so mache ich eben unterschiedliche Dinge, mal einen Dance-Song, mal einen Werbe-Song, dann mal ein Hörbuch oder eine Tonschleife für Firmen, oder für den Wiener Donauturm habe ich das letztens gemacht und auch für einige andere Unternehmen. So bleibt man frisch und kann sich den Spaß an der Sache erhalten. Ich kenne ganz viele Kollegen, die immer nur das Gleiche machen, aber nicht zufrieden sind. Denen geht das eher auf den Wecker, weil es zu eintönig ist. Ich habe meine eigene Infrastruktur und habe geschaut, dass ich nicht von den großen Plattenfirmen abhängig bin, sondern ich habe meinen eigenen Sandkasten aufgebaut und hole mir die Leute, die in meinem Sandkasten mitspielen. Ich gehe nicht zu einem anderen Sandkasten und frage, ob ich mitspielen darf.

Welchen Wunsch außerhalb vom Beruf möchtest Du Dir in den nächsten 10 Jahren noch erfüllen?

Als Familie legen wir sehr viel Wert auf geistige und körperliche Gesundheit, um möglichst lange ein schönes Leben zu führen und schöne Plätze zu sehen. Ich glaube das Wichtigste ist es, sein inneres Glück zu behalten. Das ist die Grundvoraussetzung für alles andere. Wenn du glücklich bist, dann hast du auch eine ganz andere Körperschwingung und bleibst auch gesünder. Ich habe schon viel erleben dürfen und wenn das so weiter geht und ich auch weiterhin schöne Plätze auf der Welt sehen darf, die Menschen die mir wichtig sind, dann bin ich glücklich. Mehr Glück brauch ich nicht. Geschäftlich natürlich, die Firma weiter aufzubauen. Das ist mir auch wichtig.

Was würdest Du uns verraten, was kaum jemand anderes von Dir weiß?

Meinen Namen, den ich vorher gehabt hab. Auf jeder Veröffentlichung von mir stand Johnny Matrix, Seit 2014 habe ich das tatsächlich ändern lassen, weil ich mir dachte dann spüre ich das noch mehr. Auch im Sinne des Selfbrandings, das ich weiter vorantreiben will ist das auch wichtig. Mittlerweile sagt seit vielen Jahren jeder Johnny Matrix, oder Johnny zu mir, von meinen Freunden angefangen, meine Partnerin ebenso.

Was ist Deine Lieblingsspeise?

Wenn ich in fremden Ländern bin, dann koste ich gern die jeweiligen Nationalgerichte. Prinzipiell bin ich zu 80-90 % kein Fleischesser. Aber wenn ich mal Fleisch esse, dann sehr gerne. Ich esse genauso gerne ein Schnitzel wie ein vegetarisches Gericht. Jetzt in Zeiten von Corona, wo ich mir im Studio selbst was zubereiten muss, bin ich darauf gekommen, dass ich sehr gerne Germknödel esse. Das soll zwar nicht jeden Tag auf dem Speiseplan stehen, aber Lieblingsspeise, tja, da bin ich sehr offen. Wenn schon Fleisch, dann darf es gern ein Schnitzel oder Cordon Bleu sein. Aber eben, Germknödel dürfen es auch sein.

Vielen Dank für Deine Ausführungen und alles Gute und viel Erfolg weiterhin!

 

Peer-Group: Frau Hoyer, vielen Dank, dass Sie sich für das Gespräch zur Verfügung stellen.

Fr. Hoyer:      Bitte. Dies tue ich gerne.

Peer-Group: Frau Hoyer, bitte fangen Sie einmal bei sich an.      

Fr. Hoyer:      Ich bin nun seit elf Jahren selbständig und mache Testkäufe. Das heißt ich bin Testkäuferin beziehungsweise eine Testdiebin. Seit dem Jahr 2016 habe ich meine eigene Testkaufagentur, doch ich arbeite teilweise auch noch für andere Agenturen. Diese wissen jedoch, dass ich eine eigene Agentur habe und sehen mich nicht als Mitbewerber.

Ich bin hauptsächlich im Einzelhandel unterwegs und überprüfe da das Erscheinungsbild, die Beratung und Warenpräsentation und bewerte alles Mögliche aus Kundensicht. Im Anschluss fülle ich dazu einen Fragebogen aus und sende diesen an meinen Auftraggeber.

Peer-Group: Was haben Sie vor diesen letzten elf Jahren gemacht, bevor Sie sich entschieden haben, selbständig zu werden?

Fr. Hoyer:      Ich bin seit meiner Lehre als Großhandelskauffrau immer im Automobilbereich gewesen.

Peer-Group: Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen Testkäuferin beziehungsweise Testdiebin zu werden?

Fr. Hoyer:      Als der Inhaber des Autohauses, in dem ich gearbeitet habe, in Rente ging und das Autohaus geschlossen worden ist, fand ich in den neuen Bundesländern (Anm.: in Deutschland) keine Arbeit und bin deswegen nach Bayern gezogen. Da lernte ich ein Ehepaar kennen, die eine Detektei hatten. Da fiel dann irgendwann einmal erstmals das Wort „Test-Kauf“. Ich fand das Ganze sehr spannend und habe mich im Internet weiter informiert und letztlich auch bei verschiedenen Agenturen beworben. Neben meiner Arbeit im Autohaus führte ich nach Feierabend und am Wochenende Testkäufe durch und verdiente mir so einiges dazu. Ich wurde dann gekündigt und stand vor der Entscheidung, mich wo anders zu bewerben oder mich Selbstständig zu machen. Ich entschied mich für die Selbstständigkeit, weil mir die Testerei sehr viel Spaß machte und ich mir in der Zeit auch schon bei den Testkauf- Agenturen für die ich arbeitete als Tester einen guten Namen erarbeitet habe. Immer häufiger kamen Agenturen auf mich zu und boten mir Tests an, die gut bezahlt wurden. Ich entschied mich für die Selbstständigkeit.

Peer-Group: Haben Sie bei dem Ehepaar in der Detektei eine spezielle Ausbildung, vielleicht auch zur Detektivin, erhalten?

Fr. Hoyer:      Nein, das habe ich nicht. Das Gespräch mit dem Ehepaar war nur der Ideengeber, mehr nicht.Eine spezielle Ausbildung braucht es auch nicht. Es ist sogar gut, nicht so viel zu wissen, damit man unvoreingenommen an den Test ran geht. Zu viel Wissen kann die Objektivität beeinträchtigen. Würde ich zu viel wissen, vor allem Hintergrundwissen haben, wäre ich vielleicht zu streng mit der Bewertung.

Peer-Group: Wie dürfen wir uns einen Arbeitsalltag von Ihnen vorstellen?

Fr. Hoyer:      Komplett unterschiedlich. Es gibt keinen richtigen Arbeitsalltag, sondern mein Arbeitsalltag bezieht sich immer auf das jeweilige Projekt. Ich erzähle einfach mal von einem Hoteltest. Diese mache ich in der Regel für andere Agenturen. Zunächst erhalte ich die Anfrage für diesen Test sowie den Fragebogen und ein schriftliches Briefing. Ich lese mir das Briefing durch und mache mich mit dem Fragebogen vertraut, um dann zu wissen, worauf ich alles achten muss. Als nächstes erfolgt die Zimmerreservierung per Telefon. Anschließend fülle ich den Bereich Reservierung im Fragebogen aus. Dann vor Ort überprüfe ich die verschiedenen Bereiche, wie z.B. das Erscheinungsbild des Hotels, den Check-In Prozess, die Sauberkeit und Ordnung in den öffentlichen Bereichen und dann auch das Hotelzimmer und das Badezimmer. In den meisten Fällen ist dann auch das Restaurant, die Hotelbar, Sauna oder auch der Wellnessbereich zu testen. Auch hier geht es um Sauberkeit, Ordnung, Sicherheit, aber auch um das Verhalten und die Beratung seitens der Mitarbeiter oder die Hilfsbereitschaft der Housekeeping-Mitarbeiter. Zu allem habe ich stets meinen Fragebogen im Hinterkopf und arbeite diesen gedanklich ab. Teilweise mache ich mir auch im Handy Notizen. Auf dem Zimmer werden bereits die meisten Dinge des Fragebogens ausgefüllt. Nach dem Test wird dann noch der Check-Out Prozess bewertet und ein Fazit des Hotelaufenthaltes geschrieben.

Peer-Group: Das heißt, Sie prüfen quasi alles Mögliche? Das Hotel prüfen Sie auf „Herz und Nieren“ durch?

Fr. Hoyer:      Ja, stimmt.

Peer-Group: Dass Sie Hotels testen, wissen wir jetzt. Was testen Sie sonst noch?

Fr. Hoyer:      Ich teste so ziemlich alle Branchen durch, die mit Gästen, Kunden und Patienten zu tun haben. Im Prinzip gibt es nichts, was ich nicht teste.

Peer-Group: Dürfen wir Sie fragen, was Sie die letzten paar Monate getestet haben, damit wir ungefähr Ihr Spektrum erahnen können.

Fr. Hoyer:      Zuletzt habe ich einige Autohäuser getestet, momentan eine große Bäckereikette, aber auch Hotels, Möbelhäuser, Autohäuser, Bekleidungsgeschäfte und auch Bäckereien. Ich teste querbeet alles durch, in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz.

Peer-Group: Sie testen quasi nie das Produkt, sondern immer nur die Dienstleistung, das heißt, wie mit der Kundin umgegangen wird? Ist das richtig?

Fr. Hoyer:      Ja, das ist richtig. Ich teste im Prinzip die Beratung, aber auch alles   drumherum, so wie es der Kunde erlebt.

Peer-Group: Konkret, es geht nicht um das „was ich dort bekomme“ sondern um das „wie ich etwas dort bekomme“?

Fr. Hoyer:      Richtig. Ich bin quasi die ganz normale Kundin, die sich für ein Produkt in einem bestimmten Geschäft interessiert und bewerte dann das Erscheinungsbild des Geschäftes sowie den gesamten Verkaufsprozess

Peer-Group: Geben Sie Ihre Identität auch preis?

Fr. Hoyer:      Nein, in der Regel nicht.

Peer-Group: Das heißt, dass die Angestellten nichts von Ihnen wissen, und dass nur der Auftraggeber später einen Abschlussbericht von Ihnen bekommt?

Fr. Hoyer:      Richtig. Es gibt Ausnahmen, beispielsweise bei Hoteltests gebe ich beim Auschecken teilweise bekannt, dass ich das Hotel getestet habe.

Peer-Group: Woher bekommen Sie die Beurteilungskriterien? Werden Ihnen diese vom Auftraggeber vorgegeben?

Fr. Hoyer:      Ja, normalerweise schon. Es wird aber auf jeden Fall vorher genau abgeklärt, was alles getestet werden soll.

Peer-Group: Müssen Sie sich selbst, wenn Sie etwas testen, auch verkleiden? Denken wir zum Beispiel an einen Test-Kauf einer sehr teuren Louis Vuitton Handtasche in einem exklusiven Designer-Geschäft in Wien. Die Verkäufer würden unsereins ja gar nicht wahrnehmen, vielleicht sogar links liegen lassen, wenn wir nicht so hergerichtet sind und auftreten, wie die typischen Schickimickis. Müssen Sie sich auch ins entsprechende Outfit werfen, wenn Sie die Verkäufer dort testen gehen?

Fr. Hoyer:      Ja, natürlich, wenn ich Schickimicki-Geschäfte teste, dann schon. Aber in der Regel nehme ich solche Tests gar nicht erst an.

Peer-Group: Bedingt es quasi auch ein gewisses schauspielerisches Talent?

Fr. Hoyer:      Ja, gewisser Maßen.

Peer-Group: Was war denn für Sie der interessanteste Kunde oder anders gesagt, der interessanteste Auftrag?

Fr. Hoyer:      Das kann ich so gar nicht sagen, es ist jeder Auftrag für sich spannend und interessant.

Peer-Group: Dann fragen wir eben anders: was hat Sie zuletzt überrascht? Positiv oder negativ?

Fr. Hoyer:      Ja, tatsächlich manchmal lässt die Kundenansprache zu Wünschen übrig. Zuletzt als ich einen Juwelier in Österreich testete, sah mich die Verkäuferin, putzte aber trotzdem erstmals über zehn Minuten die Vitrine weiter. Als sie sich schließlich zu mir zuwandte, sagte sie nur: „Brauchst was?“ <lächelt>

Ja, das „Du“ war absolut nicht passend, schon gar nicht für einen –Juwelier. Doch auch das gesamte Verhalten bis zur Ansprache entsprach nicht meinen Erwartungen.

Peer-Group: Wie haben Sie dieses Juweliergeschäft, wie haben Sie diese Verkäuferin bewertet?

Fr. Hoyer:      Ich muss schon sagen, dass ich als normaler Kunde das Geschäft schon eher verlassen hätte, als bei diesem Test. Und das habe ich dann auch wahrheitsgemäß bewertet und in dem Fragebogen vermerkt.

Peer-Group: Müssen Sie eigentlich mehr Testkäufe oder mehr Testdiebstähle machen?

Fr. Hoyer:      Eindeutig mehr Testkäufe. Testdiebstähle sind aber eine ganz andere Herausforderung.

Peer-Group: Wie meinen Sie das konkret? Was ist genau die Herausforderung bei den Testdiebstählen? Wie gehen Sie vor? Wie planen Sie das?

Fr. Hoyer:      Das muss man in Wirklichkeit ganz spontan entscheiden. Dies hängt ganz vom Laden und von der jeweiligen Situation ab. Ich war einmal in einem Möbelgeschäft, in dem ich völlig ungehindert einen Kinderwagen an der Kasse vorbei nach Draußen bringen konnte. Es hat keinen interessiert, nicht einmal ob da ein Kind drinnen war. Ich bin einfach durch die Kasse völlig unbehindert durchgefahren und konnte damit 800 Euro klauen.

Peer-Group: Was ist die genaue Aufgabenstellung beim Testdiebstahl? Was kontrollieren Sie, Schwachstellen im Geschäft oder das Verhalten des Verkaufspersonal.

Fr. Hoyer:   Bei einem Testdiebstahl gilt es, die Schwachstellen des Geschäftes aufzudecken. Es geht um Diebstahlprävention und die Verkäufer werden auf die Situation eines Ladendiebstahles sensibilisiert. Die Verkäufer haben die Möglichkeit, die Ansprache eines Ladendiebes zu üben, ohne dass etwas passiert.

Peer-Group: Wie akquirieren Sie Ihre Kunden? Kommen diese direkt auf Sie zu oder ist es umgekehrt: gehen Sie selbst auf potentielle Kunden zu?

Fr. Hoyer:      Ich akquiriere meine Kunden entweder selbst oder meine freie Mitarbeiterin kontaktiert potentielle Kunden, die ich auf einer Liste habe.Wir halten uns dabei an die Fakten. Das heißt, wir machen potentielle Kunden aufmerksam, dass durch unser Service der Umsatz durch bessere Beratung und Kundenfreundlichkeit gesteigert werden kann und Verluste aufgrund von Ladendiebstahl durch bessere Schulung und Aufmerksamkeit des Personals vermindert werden kann.

Peer-Group: Wie kommt Ihr Angebot an?       

Fr. Hoyer:      Die meisten Kunden, die unser Angebot annehmen, haben schon vorher Umsatzeinbußen oder Inventurdifferenzen bemerkt, und Sie sind unserem Angebot aufgeschlossen. Jemand, der glaubt, dass alles passt und zufrieden ist, den erreichen wir mit unserem Angebot klarerweise nicht. Wir haben bemerkt, dass je jünger die Ansprechpartner (das sind Geschäftsführer oder Verkaufsleiter) sind, desto aufgeschlossener sind sie für unsere Dienstleistungen.

Peer-Group: Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?

Fr. Hoyer:      In 5 Jahren würde ich die Test-Diebstähle weiter ausgebaut haben wollen.

Peer-Group: Was kostet eigentlich ein solches Projekt bei Ihnen, ein sehr großes Projekt sprich das Testen eines großen Fünf-Sterne-Hotels vom Portier über den Empfang, das Zimmer, Restaurant bis hin zu all seinen Annehmlichkeiten? Inklusive Diebstahl des Fernsehers, der Handtücher und so weiter.

Fr. Hoyer:      Hoteltest dauern meistens nur eine Nacht, bei den großen Projekten (also wenn es einen großen Wellnessbereich, Roomservice, mehrere Restaurants usw. gibt) muss ich mit 2 bis 3 Tagen rechnen. Nur in Ausnahmefällen testet man mal einen Club-Urlaub für mehrere Tage bis zu maximal einer Woche.

Für ein größeres Projekt mit einem Umfang von 2 bis 3 Tagen berechne ich zirka 3000 Euro, exklusive Reisekosten und Auslagen wie auch das Essen im Hotelrestaurant, Zimmerservice oder Minibar.

Peer-Group: Hotelrestaurant, Zimmerservice, Bar? Gibt es hier irgendwelche Limitationen oder können Sie die Karte rauf und runter bestellen?

Fr. Hoyer:      Auch das kommt ganz auf den Auftraggeber an. Zuletzt hatte ich bei einem Hoteltest in Zürich in einem großen Hotel 2 Bekannte dabei und wir durften richtig viel bestellen und ausprobieren und gaben innerhalb kürzester Zeit 800 Schweizer Franken aus.

Peer-Group: Gibt es auch Tests von Hotel im Süden, wo unsereins sehr gerne Badeurlaub macht?

Fr. Hoyer:      Ja, selten, aber doch. Ich selbst hatte nur einmal einen Club in Zypern für eine ganze Woche getestet. Aber wie gesagt, das ist die Ausnahme. Das war letztlich auch ziemlich stressig, da ich in dieser Woche wirklich alles mögliche mitmachen musste: es fing bei der Animation und diversen Turnprogrammen wie Aquagymnastik an und endete bei Tagesausflügen, wobei mindestens drei Tagesausflüge vom Auftraggeber vorgegeben waren. Eigentlich hatte ich nicht viel davon, da ich stets Notizen aufschrieb und Berichte schrieb.

Peer-Group: Sie erwähnten vorher, dass Sie auch als Patientin testete. Wer war der Auftraggeber? Wie funktioniert dies?

Fr. Hoyer:      Ja, ich war Patientin in einem großen Augenlaserzentrum in Deutschland, wobei ich ein paar von zirka 20 Niederlassungen dieses großen Augenlaserzentrums testete.

Peer-Group: Wie funktioniert das, wenn Sie von Niederlassung zu Niederlassung als Patientin gehen? Scheinen da nicht Ihre Daten auf? Was sagen hier die Krankenkassen?

Fr. Hoyer:      Nein, das ist gar kein Problem. Nach einer Versicherungsnummer oder einem Ausweis fragt niemand, da die Leistungen ohnehin privat zu bezahlen sind.

Peer-Group: Gab es einmal bei einem Ihrer Test-Diebstähle ein Problem beziehungsweise ein richtiges Tohuwabohu?

Fr. Hoyer:      Ja, gab es. Ein Kaufhausdetektiv hatte mich am Ausgang aufgehalten und in ein Dienstzimmer gebeten. Bis dahin hatte er völlig korrekt gehandelt. Als ich mich als Testdiebin auswies und sagte, dass ich von der Geschäftsleitung engagiert wurde, ignorierte er dies. Ich bat ihn, den Marktleiter zu informieren, denn dieser ist informiert, dass regelmäßig Testkäufe durchgeführt werden und auch, dass ich mich entsprechend legitimieren kann. Er sagte, dass ich ihm schon überlassen müsse, wen er denn anruft. Letztlich hatte er doch die Polizei und nicht den Marktleiter informiert. Als die Polizei kam, hatte ich mich entsprechend ausgewiesen. Damit war die Sache für mich erledigt. Der Kaufhausdetektiv ist, wie mir der Marktleiter ein paar Monate später erzählte, nicht mehr in dem Unternehmen und das Warenhaus arbeitet auch nicht mehr mit dieser Detektei zusammen.

Peer-Group: Hatten Sie jemals das Gefühl, als Frau behandelt wurden und nicht wie man einen Mann begegnen würde, beispielsweise beim Autos einkaufen? Haben Sie da einen geschlechtsspezifischen Unterschied bei der Beratung gemerkt, das heißt wurde die Beratung auf die Farbe des Autos reduziert?

Fr. Hoyer:      Ja, tatsächlich wurde die Beratung auf die Farbe des Autos reduziert. Je nobler die Automarke desto schlimmer die Behandlung Frauen gegenüber.

Peer-Group: Und interessiert genau das Ihre Auftraggeber – wie sich die Verkäufer im Autohaus potentiellen Autokäuferinnen gegenüber verhalten?

Fr. Hoyer:      Das interessiert sie nicht. Die sind nur an der Erreichung ihrer Verkaufszahlen interessiert. Wie sich der Kunde fühlt, scheint denen völlig egal. Die sind nicht an der Basis interessiert. Meine Erfahrung zeigt, dass diejenigen, die sich den Fragebogen für einen Autohaus-Test ausdenken, nicht wissen, wie es ist, im direkten Kontakt zu sein. So tauchen in dem Fragebogen beispielsweise Fragen auf, ob der Verkäufer bei der Fahrzeugpräsentation mit dem Kunden von vorne über die Beifahrerseite und das Heck zur Fahrertür gegangen ist. Interessiert dies tatsächlich einen Kunden? Ich denke Nein. Wenn ich von mir ausgehe, so will ich mich in das Auto reinsetzen und es interessiert mich der Kofferraum. Autohäuser sind eine Geschichte für sich.

Peer-Group: Es macht Ihnen aber nach wie vor trotzdem Spaß?

Fr. Hoyer:      Ja, auf jeden Fall.

Peer-Group: Wir danken für das Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg!

Peergroup/Die Profiler i.A.
Bettina Wienerberger, Michaaela Kargl, Ingo Babka, Dr. Fahmy Aboulenein-Djamshidian

 

In der Coronakrise mussten viele Menschen auf Online-Sessions umstellen, die vorher damit gar nichts oder wenig zu tun hatten. Kein Ding für den King! Mit diesen Tipps gelingt es auf professionelle Weise!

1) Sie selbst sind Ihre Visitenkarte, ein gepflegter Auftritt und ein businessorientiertes Outfit, sind online ebenso wichtig. Sie selbst sind ihr Image.

2.) Bevor man ein Schlafzimmer oder Küche sieht bzw. Einblicke hat die zu persönlich sind, lohnt es sich eine Leinwand, Roll up, o.ä. aufzustellen oder wie bei manchen Tools möglich einen dezenten einfärbigen Hintergrund zu wählen.

3.) Störfrei. Kinder, Hunde und Lebenspartner sollten bei Kundengesprächen nicht durch ihr Bild huschen.

4) Virtuelle Meetings sollten auch virtuell und nicht audio sein. Man nimmt auf eine viel persönlichere Weise am Geschehen teil wenn man Face to Face agiert.

5) Vereinbaren Sie sich bei größeren Gruppen Zeichen, z.B. Hand heben wenn jemand etwas sagen möchte, Daumen hoch für Ja, Daumen runter für Nein. Für Feedback kann man auch Emoticons verwenden.

6) Stellen Sie sicher, dass bei Abfragen alle Teilnehmer gehört werden.

7) Agendas, Unterlagen, Links, Videos schicke ich vorher, und wenn zwischendurch etwas anfällt, lässt sich das leicht über Chat oder Teilfunktionen verteilen.

8) Wenn Sie mit Teams arbeiten, halten Sie Kontakt. Machen Sie auch mal kleine Online-Kaffeesessions die den „Teeüchentalk“ ersetzen. Beziehungen aufbauen und halten ist auch online sehr wichtig.

9) Dokumentieren Sie wichtige Ergebnisse mit und versenden Sie diese danach an alle Teilnehmer.

T10:
Arbeiten Sie nach der Pomodori-Technik wenn Sie einen langen Tag am PC im Homeoffice haben. Diese Technik wurde nach einem Kurzzeitwecker in Tomatenform benannt.

5 Schritte, damit Sie sich abends nicht wie Ketchup fühlen:

1. Stellen Sie den Kurzzeitwecker auf 30 Minuten

2. die Aufgabe bearbeiten, bis der Wecker klingelt, als Pomodori-Pause 1 markieren

3. kurze Pause machen (machen 5 Minuten, Bewegen, Luft schnappen….)

4. Nach jeweils 4 pomodori eine längere Pause machen (ca. 15–20 Minuten

Patricia Staniek
Master Profiler, Kriminologe, Unternehmensberater

 

Foto: Wolfgang Bauer

JUST IN CASE!  Prävention und Hilfe

 

Die Anzeichen sind meistens da, sie werden nur nicht wahrgenommen, wollen nicht wahrgenommen werden oder aber dem Glauben „Wahrscheinlich übertreibe ich“ zugeschrieben.

Sie passiert nicht von einer Sekunde auf die andere, meist ist sie ein sich einschleichender Prozess. In den meisten Fällen sind Frauen und Kinder davon betroffen. Frauen brauchen Schutz und Hilfe in solchen Situationen und natürlich brauchen Kinder einen ganz besonderen Schutz. Die Mutter die oft selbst misshandelt wird und sich deshalb nicht um Hilfe fragen traut aus Angst wieder verprügelt zu werden, fühlt sich oft zu schwach, das Kind zu schützen oder verhält sich aus Angst ruhig. Doch die Mutter muss in Aktion kommen muss sich für sich und ihre Kinder Hilfe holen.

Allerdings betrifft häusliche Gewalt nicht nur Mütter sondern auch Frauen ohne Kinder. Die Anzeichen sind schon vorher da und es beginnt meist nicht mit physischer Gewalt sondern mit psychischer. Zu Beginn einer Beziehung ist da natürlich der Rausch der Hormone, das Pärchen ist verliebt und das was an ersten Anzeichen kommt, wird im Hormonrausch der Verliebtheit übersehen. Nach einiger Zeit beginnen die verbalen „kleinen“ und später auch die größeren Angriffe. Natürlich verspricht der Partner Besserung und bereut scheinbar. Dabei kann es schon vorkommen, dass er der Partnerin die Schuld gibt: Du bist Schuld, hättest du dich nicht so verhalten, hätte ich dich nicht anschreien müssen und später …„schlagen“ müssen. Die Beziehung steht unter ständiger Spannung. Seine Angriffe werden häufiger, heftiger und intensiver, verbal als auch die körperlichen Übergriffe.

Ein paar mögliche Anzeichen:

Der Partner ist eifersüchtig -über das normale Maß hinaus
Er kontrolliert die Frau und versucht sie vom sozialen Umfeld zu isolieren
Fragt mit wem sie sich getroffen hat, gesprochen hat….
Er macht ihr Verhaltens- oder Kleidervorschriften
Will Telefonate, Sms usw. weiter sehen, checkt das Handy oft heimlich, oft wird Spyware installiert (Ortung)
Er macht sie runter, beschimpft, beschuldigt und stellt sich selbst als Opfer von ihr da……
Demütigungen

Im NOTFALL rufen Sie sofort den Polizeinotruf an: 110
Machen Sie folgende Angaben:
Name/Adresse
Was ist passiert – kurz: Bsp: Er prügelt mich
Täter anwesend oder nicht, hat er Waffen, ist bewaffnet….
Bitten Sie das sofort jemand kommt.
Sollte das möglich sein, bringen Sie sich bei Nachbarn in Sicherheit

Wenn kein Notfall vorliegt z.B.:
UNBEDINGT! Gewalt darf keinen Nährboden finden, Sie tragen die Verantwortung für sich und wenn vorhanden auch für die Kinder!
Frauen-HelpLine: 0800 222 555

Es gibt immer Hilfe und Schutz!

Patricia Staniek
Kriminologin, Certified Master Profiler

Foto: Pixabay

Was machen die Maßnahmen wie z.B. Social Distancing mit den Menschen? Wir hier in Österreich erleben die größte Krise seit dem 2. Weltkrieg. Das führt mich zu einer Beobachtung! Beobachtung ist meine Arbeit und ich bemühe mich, meinen eigenen Anteil aus meiner Beobachtung draußen zu lassen und schaue hin wie auf ein Experiment. Der Einschnitt in das Leben der Menschen stellt sich brutal und radikal dar. Zumindest ist es das, wie es durchaus erlebt und empfunden wird.
Ich habe heute Menschen kostenfrei im Bezug auf diese Ausnahmesituation beraten. Das was ich heute erlebt und beobachtet habe, hat mich dazu angeregt, dies zu verfassen.

Wir Menschen haben ein Bedürfnis nach sozialem Leben, nach Gesellschaft. Dieses Bedürfnis wird jetzt aus erklärbaren und verstehbaren Gründen unterbunden. Die Auswirkungen dieses Einschnitts sind jetzt schon im Ansatz erkennbar. Aus dem Verhalten der Menschen im öffentlichen Raum als auch in Social Media.

Die Gefühlswelt gerät ins wanken. Sorgen, Ängste und Panik treten auf. Im Moment noch in geringer Form. Vielfach wird auch Hilflosigkeit erlebt und geht über zu Anspannung, Erregung bis hin zu Trotz –ich mach was ich will – ich geh raus- ich lass mich nicht einsperren.

Menschen nehmen solche Situationen oft undifferenziert wahr, die Welt ist nicht mehr bunt – sie wird nur mehr als „schwarz“ wahrgenommen. Es geht über in Orientierungschwankungen im eigenen Urteil – was soll ich glauben, was stimmt oder was stimmt nicht? Verschwörungstheorien geben irrationalen Gedanken Raum. Man kann sich auf nichts anderes konzentrieren und blendet Lösungen und Handlungsmöglichkeiten aus. Der Fokus des Menschen stellt sich um auf „Scheuklappe“.

Krisen schaffen es, wenn Menschen nicht gut auf sich und andere achten, eine große Desorientierung in die Köpfe zu bringen. Weitere Begleiterscheinungen können aggressives Verhalten, Rebellion oder aber auch kompletter sozialer Rückzug, Abschottung und Depression sein.

Häufig verändert sich auch der Umgang mit sich selbst, das Ess- und Trinkverhalten eskaliert, Routinen gehen verloren, Ersatzhandlungen werden durchgeführt. Abgesehen von körperlichen Beschwerden, können auch psychische Probleme auftreten. Im extremen Fall kann es zu Vandalismus und Plünderungen kommen.

Ich möchte keine Angst machen, ich möchte Verhalten aufzeigen und gleichzeitig Hinweise geben, wie Sie in dieser schwierigen Zeit gut über die Runden kommen können, wenn Sie entscheiden, dass Sie das wollen.

Wie kommt man gut durch so eine Krise:

1.) Bleiben Sie wachsam, aufmerksam und gleichzeitig souverän.

2.) Achten Sie auf Ihre Psychohygiene – kümmern Sie sich um sich.Schützen Sie sich bitte, machen Sie alles um psychische oder physische Gefahren bei sich auszuschalten. Und schützen Sie auch die Menschen die um Sie sind.

3.) Machen Sie sich klar, wie Ihre Gefühlswelt ist und was sich bei Ihnen persönlich innerlich abspielt und akzeptieren Sie die Situation.

4.) Suchen Sie positive Kontakte von Menschen welche die Dinge objektiv betrachten und lassen Sie sich nicht runterziehen. Vermeiden Sie Menschen die Ihnen Angst machen, hören oder lesen Sie keine Verschwörungstheorien, versuchen Sie immer die Fakten und die aktuelle Lage zu erfassen und überprüfen Sie Informationsquellen. Gehen Sie auch selektiv vor was Ihre Kontakte in Social Media betrifft. Auch hier sollten Sie Beiträge die Ihnen nicht gut tun, nicht lesen. Drüber scrollen hilft.

5.) Achten Sie auf Ihre psychische und physische Gesundheit.
Eine stabile Psyche ist wichtig.

6.) Auch in den eigenen 4 Wänden, auch im kleinsten Raum gibt es Bewegungsmöglichkeiten. Sorgen Sie dafür das Sie körperlich fit bleiben und bleiben Sie auch geistig fit.

7.) Bauen Sie sich innerliche Stärke auf bzw. wenn Sie diese ohnehin haben, achten Sie darauf, dass Sie sie behalten.

8.) Regen Sie sich bitte nicht über Kleinigkeiten auf und bleiben Sie auch bei Großigkeiten ruhig.

9.) Wenn Sie Aggressionen in sich verspüren, setzen Sie sich damit auseinander und tun Sie alles um diese loszuwerden. Es ist eine Entscheidung, Ihre Entscheidung, ob Sie diese wachsen lassen oder auflösen, in dem Sie sie hinterfragen und etwas dagegen tun.

10.) Behalten Sie Routinen bei oder schaffen Sie Routinen. Ein geregelter Tagesablauf hilft und stärkt. Schaffen Sie sich Rituale für Sie und ihre Lieben und lassen Sie sich nicht gehen.

11.) Bleiben Sie zuversichtlich und suchen das Positive an der Situation, denn das Beschränken auf das Notwendigste, die Zeit mit der Familie, oder auch mal das alleine , kann eine Qualität bieten.

12.) Wenn Sie merken dass Sie aggressiv oder gewaltfähig werden, nehmen Sie Hilfe in Anspruch, diese ist kostenfrei sichergestellt.

13.) Sollte jemand Ihnen gegenüber Gewalt ausüben, holen Sie sich ebenso Hilfe.

BITTE BLEIBEN SIE SOUVERÄN, ACHTEN SIE AUF SICH UND ANDERE UND KOMMEN SIE GUT DURCH DIESE ZEIT!

Ihre Patricia Staniek
Kriminologin, Certified Master Profiler

Teil 2:
Einige mögliche Merkmale von Psychopathen!
 
Bitte gehen Sie vorsichtig mit diesem Begriff um und verwenden Sie ihn nicht inflationär. Diese Auswahl an möglichen Hinweisen für psychopathische Stile soll Ihnen lediglich als Richtlinie dienen. Die Diagnose oder Zuweisung des Begriffes obliegt nicht Ihnen sondern einem Psychologen, Psychiater oder Therapeuten. Sollten Sie solche Stile bei jemanden bemerken und Sie sind die leidende Person oder Sie erkennen das Leiden von Jemanden, wenden Sie sich an einen Professionisten der Ihnen gerne hilft.
 
a) Psychopathen agieren und ziehen die Fäden geschickt im Hintergrund.
b.) Psychopathen sind per se keine Serienmörder und man trifft sie nicht nur im Gefängnis
c.) Psychopathen treten auch im Business auf, oft in sehr hohen Positionen.
d.) sie Verhalten sich durchaus charmant – (gespielt)
e.) sind meist sehr intelligent
f.) setzen andere gezielt für Ihre Zwecke ein
g.) sind sehr manipulativ
h.) demütigen andere Menschen mit grosser Freude
i.) spielen anderen Gefühle vor, sind grundsätzlich sehr kalt
j.) bei Angriffen werfen sie den Ball mit doppelter Wucht retour – rächen sich
k.) verfügen nicht über das gleiche Emotionssystem wie ein „Normaler“
l.) sie verfügen über frühentwickelte Emotionen wie z.B. Ärger und Freude
m.) Sie empfinden wenig Angst, sind daher extrem risikobereit und stressresistent
n.) zeigen sich oft einfühlsam um zu manipulieren, sind aber nicht einfühlsam
o.) sind nutzenorientiert
p.) sind machtorientiert
q.) Mensch ist nicht Mensch, Mensch ist Objekt-Objekt bringt Nutzen ….
 
Es gibt Menschen mit psychopathischen Anteilen und es gibt tatsächliche psychopathische Persönlichkeitsstörungen.
 
Ihre Patricia Staniek
Certified Master Profiling, Kriminologe, Unternehmensberater, Executivecoach, Fachvortragende

Bitte Vorsicht, stellen Sie keine Diagnosen und schreiben Sie niemanden als Psychopath fest. Der Psychologe diagnostiziert. Doch was Sie tun können ist das Verhalten von Menschen zu beobachten, gerade von denjenigen Menschen deren Verhaltensrepertoire von dem abweicht was man landläufig als „Normalwert“ bezeichnet und grade Sie oder Umfeld es zu spüren bekommen.

Der psychopathische Persönlichkeitsanteil-/stil bzw. Persönlichkeitsstörungen findet seine Ursache vermutlich schon in der Biologie. Was ist Anlage, also biologisch mitgegeben und was entsteht durch Umwelt, bzw. in der Art und Weise wie jemand jemand aufgewachsen ist?

Die psychopathische Persönlichkeit agiert im Background. In der Öffentlichkeit lässt sich sein psychopathisches Verhalten meist nicht erkennen. Er weiss es zu verbergen. Der Psychopath verfügt über ein anderes Emotionssystem. Frühentwickelte Emotionen wie z.B. Ärger und Freude sind funktional, über diese verfügt der Psychopath. Aber z.B. sein Angstempfinden scheint vollkommen anders oder nur teilvorhanden zu sein. Sie sind also nicht leicht zu ängstigen und verlieren relativ schwer die Nerven. Bevor ein Psychopath die Nerven schmeißt, haben alle anderen schon das sinkende Schiff verlassen. Deshalb sind Psychopathen z.B. im Business mit hohem Risiko unterwegs. Ein Risiko welches jemand mit normalem Angstempfinden hat, nie eingehen würde. Tiefe Gefühle sind ihnen also fremd. Bereits als Kinder bemerken Sie schon das andere Emotionsverhalten ihrer Mitmenschen und beginnen es exzellent nachzuspielen. Und weil sie das können bleiben Sie in der Öffentlichkeit oft unentdeckt. Ihre Fähigkeit des Kopierens des Emotionsverhaltens bzw. Handlungsverhalten der Anderen hilft Ihnen vollkommen authentisch auf der Schauspielbühne des Businesslebens zu stehen und Menschen zu manipulieren. Machtgier und Demütigung von anderen ist etwas was den Psychopathen ausmacht.

INTERVIEW MIT DER TATORTREINIGERIN CLAUDIA KETTNER (CK)
Geführt von: Andreas Fritsch, Martina Fritsch, Christian Mikula, Britta Teutsch – Certified Profiler: Methode Profiling PScn in Ausbildung

Wie kamen Sie zu dieser Arbeit?

CK: Lange Geschichte, ich habe mit einer Gebäudereinigungsfirma gestartet und wir haben auch immer Räumungen und Entrümplungen gemacht, und da bin ich durch Zufall zu Messie-Wohnungen gekommen. Das ist mittlerweile ein großes Thema, welches wir sehr oft haben. Einmal hatte ich eine Messie-Wohnung mit einer Leiche drin. Also, das schlimmste, was einem glaube ich, passieren kann. Die Dame ist da 3 Monate drinnen gelegen, man kann sich vorstellen, dass das ziemlich spannend war. Das hat mir dann, das klingt zwar jetzt etwas krank, aber das hat mir dann so gefallen, speziell die Schwierigkeit an dieser Arbeit hat mich dann sehr fasziniert. Denn das ist schwierig, das ist richtig schwierig, sowas wieder hinzubekommen. Und dann habe ich die Zusatzausbildung gemacht, und habe mich darauf spezialisiert.

 

Was ist das für eine Zusatzausbildung, die Sie machen mussten?

CK: Ich bin Denkmal-, Fassaden-, und Gebäudereinigungsmeisterin, sowie zertifizierte Tatortreinigerin. Die Ausbildung habe ich im März 2018 abgeschlossen.

Ich bin selbstständig und führe ein Unternehmen mit jetzt 16 Mitarbeitern die draußen sind, und einer Sekretärin im Büro.

 

Was genau reinigen sie alles?

CK: Mein Auftrag ist es, die Wohnung wieder bewohnbar zu machen, das heißt, je nachdem was ich dort vorfinde. Wo und wie ist die Person gestorben, das ist immer anders. War es ein Selbstmord, oder wenn jemand im Bett stirbt, und schnell gefunden wird, ist es eine schöne Arbeit. Wenn sich jemand mit einer Waffe selbst richtet ist es schlimm, weil dann ist es oft so, dass man aus der Wand Teile rausstemmen muss. Je nachdem, auch wie lange die Leiche dann liegt ist ein Thema, gibt es Schädlingsbefall, das ist ganz unterschiedlich. Wir haben oft auch Wohnungen, welche wir komplett aushöhlen müssen, weil durch die Leichenflüssigkeit und die Liegezeit die Böden kaputt gehen. Der Untergrund ist dann auch oft kontaminiert, auch hier muss dann gestemmt werden. Das ist nicht nur reinigen, das ist oft sehr viel mehr, da muss man schon fast Handwerker sein.

 

Gibt es eine Zusammenarbeit mit Kriminaltechnikern, die ja auch Gegenstände hinterlassen?

CK: Genau, wir arbeiten mit der Polizei zusammen und mit Notaren, bzw. Rechtsanwälten. Wir werden dann auch oft weiterempfohlen. Denn wenn einfach jemand verstirbt, ist es ja nicht gleich ein Tatort. Und hier werden wir dann durch Polizei oder eben Rechtsanwälte empfohlen. Wir sind auch mit dem Gemeinden vernetzt, die auch unsere Broschüren weitergeben. Manche finden uns auch im Internet, und rufen dann einfach an.

 

Gibt es Anblicke die Ihnen widerstreben? Was ist Ihnen am meisten zuwider?

CK: Nein, mittlerweile nicht mehr. Das einzige, dass ich schlimm finde ist nicht der Anblick, sondern das Menschen lange unbemerkt in ihren Wohnungen liegen, das ist für mich persönlich das schlimmste. Dass es so wenig Interesse an einem Menschen gibt, dass der oft wochen- oder monatelang vor sich hin verwest.

 

Wissen Sie um welchen Fall (z.B. aus den Medien…) es sich gerade handelt, bzw. werden sie vorinformiert?

CK: Egal was man rundherum hört, ich möchte die Informationen vom zuständigen Beamten aus erster Hand hören. Denn man muss immer vorher wissen, war die Person krank? Und mich interessiert der Hintergrund der Umstände. Ich möchte schon wissen, was ist passiert, aber es wird einem ohnehin gesagt, wenn man zum Ort des Geschehens kommt.

 

Wie reagieren Menschen darauf, wenn Sie von Ihrer Arbeit erzählen?

CK: Unterschiedlich. Manche sind fasziniert, manche sind schockiert, manche halten mich für krank. Das ist sehr bunt gemischt.

 

Welche Berufskleidung tragen Sie, bzw. reinigen sie in steriler Kleidung?

CK: Wir tragen einen Vollschutzanzug, der flüssigkeits- und luftundurchlässig ist, man kann sich das so vorstellen, als wäre man in einem Plastiksack drin. Dann noch schnittfeste Gummistiefel mit Stahlkappe. Und noch eine Gesichtsmaske, also ich sehe aus wie eine Mumie mit Maske, komplett vermummt.

 

Wird ein Tatort unter behördlicher Aufsicht gereinigt?

CK: Nein, ich komme immer erst, wenn alles abgeschlossen ist. Es kann zwar sein, dass ich mich vor Ort mit einem Beamten treffe, um etwas zu besprechen, aber grundsätzlich bin ich allein. Wenn es draußen, im öffentlichen Raum ist, was sehr selten der Fall ist, dann sind die Behörden vor Ort, aber in abgeschlossenen Räumen gibt es keine Notwendigkeit dafür.

 

Wenn Sie noch etwas finden, womöglich tatrelevante Gegenstände, haben sie die nötigen Mittel, um diese aufzubewahren?

CK: Das hatten wir tatsächlich schon, dass wir Munition, Hakenkreuze oder ähnliche Dinge gefunden haben. Die werden dann von uns in verschließbare Plastiktüten gepackt, fotografiert und den zuständigen Beamten weitergeleitet. Das kommt allerdings nicht sehr häufig vor.

 

Reinigen Sie den Tatort mit handelsüblichen Haushaltsgeräten und wie wird der Müll entsorgt?

CK: Das ist Sondermüll, welcher verbrannt wird. Der kommt auf eine Deponie, wir arbeiten hier mit der Energie AG zusammen, dort geben wir den Müll ab. Also fachgerecht entsorgt.

Wir verwenden, unter anderem, natürlich einen Staubsauger, aber nicht das klassische „Hausfrauenmodell“, sondern Industriereiniger, welche man in einem Baumarkt kaufen kann. Das wichtigste ist ein Nass-/Trockensauger, denn wenn man viel Blut zu entfernen hat, muss man das ja auch irgendwie wegbekommen.

 

Führen Sie ein Reinigungsprotokoll?

CK: Wir machen immer Vorher-Nachher Fotos, um alles zu dokumentieren. Primär um mich zu schützen, man weiß ja nie, mit wem man es zu tun hat. Es wird dann der Ablauf dokumentiert, welche Arbeiten durchgeführt wurden. Das wird dann auch abgegeben und unterzeichnet. Bei privaten Auftraggebern ist das manchmal schwierig, da diese oft unter Schock stehen. Sollten Reklamationen, in welcher Art auch immer sein, komme ich natürlich dafür auf. Was aber, Gott sei Dank, noch nie passiert ist.

 

Geben Sie in letzter Instanz die Freigabe für einen Tatort?

CK: Richtig. Wenn ich rausgehe, dann ist die Wohnung, das Haus wieder für die Allgemeinheit zugänglich. Ohne Gefahr zu laufen, sich irgendwelche Krankheiten zu holen.

 

Sind Infektionsschutz, sachgerechte Desinfektion, Seuchenbekämpfung relevante Themen?

CK: Desinfektion ist natürlich ein Thema, das ist klar. Seuchenschutz, so etwas schlimmes war noch nie ein Thema in meiner bisherigen Tätigkeit. Ich habe mir allerdings einmal selbst eine Lederhautentzündung eingefangen, weil ich die Maske, aufgrund der Hitze, kurz abgenommen habe. Dabei ist mir ein Tropfen irgendeiner Flüssigkeit ins Auge gekommen, und ich habe eine ganz schlimme Entzündung dadurch bekommen. Das hat mich sehr geschockt, denn das sind Gefahren, die man nicht sieht.

Seitdem nehme ich die Maske während der Arbeit nie mehr ab.

 

Gab es Aufträge, bei welchen die Arbeit aufgrund von nicht aushaltbaren Gerüchen, Substanzen, Situationen etc. abgebrochen werden musste?

CK: Nein, bis jetzt ist das nicht passiert. Auch wenn es noch so ekelerregend war, hatte ich das immer im Griff.

 

Wird selbst solch ein Job irgendwann zur Routine?

CK: Wirklich Routine eher nicht. Sicher behandelt man viele Situationen aus der Erfahrung heraus routinierter, das ist wie in jedem Beruf. Jeder Mensch ist anders, jeder stirbt anders, es ist nie vergleichbar, es ist immer anders.

Es wird immer leichter, je öfter man etwas gemacht hat, umso leichter kann man damit umgehen. Umso schneller findet man eine gute Lösung. Aber Routine im klassischen Sinne wird es nicht, da immer Schicksale dahinter sind. Es ist der Tod, es ist das Ende. Das ist das eigentlich beunruhigende dahinter.

 

Stumpft man ab?

CK: Sicher. Wir können mittlerweile während der Arbeit lachen, das konnten wir zu Beginn nicht. Da waren wir irgendwie unter Strom, wir waren nervös, es war anders. Aber jetzt haben auch Spaß, auch wenn es komisch klingt. Ja, man stumpft sicher ab. Mich schreckt so leicht nichts mehr. Andere sagen, so schlimm, dann gehe ich rein und denke mir, naja, ok…

 

Es sind ja hier Schicksale, um die es geht. Fällt es ihnen schwer, durch das Räumen, Teile eines Lebens sozusagen „auszulöschen“?

CK: Es sind ja oft nur Teile von Örtlichkeiten, welche von uns gesäubert werden, nicht immer die gesamte Wohnung, oder das gesamte Haus. Oft räumen die Angehörigen den Rest der Räumlichkeiten aus. Natürlich haben wir auch Fälle, wo es dann heißt, das ganze Leben eines Menschen wird in einen Container geworfen. Das ist aber durchaus normal, das gehört dazu.

 

Bekommt man als Tatortreiniger die Hintergründe der Umstände mit?

CK: Ja, da sind oft sehr interessante Geschichten dahinter. Man muss ja alles angreifen, und da finden sich ja oft sehr persönliche Dinge. Seien es die Liebesbriefe von früher, die Kontoauszüge, wir haben ja alles in der Hand. Man findet Sado-Maso Verstecke, es kommt einem viel unter. Man sieht ALLES. Manchmal ist es auch durchaus lustig…

 

Wie trennt man die Bilder aus dem Beruf vom Privatleben?

CK: Ich schaffe das leicht, mir tut das gar nichts. Wenn ich zu Hause bin, bin ich zu Hause, mir ist das egal. Ich habe aber durchaus Mitarbeiter erlebt, die Alpträume bekommen haben, die ich dafür nicht mehr einsetzen konnte. Für mich war das schwer nachzuvollziehen, weil ich dieses Thema gar nicht habe.

Werden einem Tatortreiniger im Gespräch mit Bekannten, Freunden… oft Fragen zum Job gestellt?

CK: Ja, manche möchten Fotos sehen, das ist eh klar, der einzige, mit dem ich wirklich darüber rede, ist mein Lebensgefährte. Aber sonst ist das kein Gesprächsthema, wenn man bei einem Kaffeekränzchen zusammensitzt.

 

Wovor ekeln Sie sich?

CK: Ich hatte das jetzt zweimal, und ich habe mich über mich selbst geärgert. Es gibt Menschen die kacken so lange in ihre Toilette, bis sie übergeht. Das waren beides Messie-Wohnungen, und da hat es mich geekelt, beide Male. Das ist noch gar nicht so lange her, und das hat mich etwas irritiert, denn das kenne ich bei mir gar nicht. Ich weiß nicht warum, aber da dürfte in meinem Kopf etwas umschalten. Wir wollten das beide Male absaugen, aber da hat mir mein Sauger so leid getan, dass ich das mit einem Suppenschöpfer abgeschöpft habe. Vor allem, da waren auch Maden dabei, diese Kombination aus altem Kot, Maden, Urin, Klopapier, das ist schon sehr speziell. Es war eigentlich fast unerträglich, aber ich habe mich nicht übergeben müssen.

 

Was war für Sie die eindrücklichste Erfahrung im Zusammenhang mit Ihrer Tätigkeit?

CK: Menschlich das schlimmste für mich war ein Vorfall auf einer Polizeistation, da ist ein Polizist auf der Toilette gestorben, der hatte einen Blutsturz, es hat sehr wild ausgesehen. Und da waren sehr viele Polizisten, es war auf der Landespolizeidirektion, es war schlimm, so viele Menschen, so viele Tränen, es war einfach schlimm. Es war nicht handlebar für mich. Weil so viele reden wollten, so viele Gefühle waren, und ich war allein dort.

 

Wie ist es, wenn Sie mit Angehörigen zu tun haben?

CK: Das ist schwierig. Da habe ich einige Zeit gebraucht, ich bin jetzt nicht der gefühlsduselige Mensch, aber da muss man sehr viel Fingerspitzengefühl haben. Die sind natürlich im Ausnahmezustand, jedes Wort muss auf die Waagschale gelegt werden, und jeder will reden, die Leute wollen immer reden. Das ist auch schwierig. Die erzählen einem ja oft die Lebensgeschichte. Das befreit, habe ich gehört, aber es ist mühsam für mich.

 

Haben Sie noch andere Beschäftigungen? Hobbies?

CK: Ich arbeite sehr gerne im Garten, ich züchte chinesische Seidenhühner, die mit der Frisur, die flauschigen. Das ist mein Hobby. Und mein Kind, mein Mann, aber es ist halt wenig Zeit dafür. Sehr wenig Zeit.

 

Bleiben Gerüche sprichwörtlich an Ihnen haften?

CK: Die Schutzkleidung, der Anzug und die Handschuhe werden natürlich entsprechend entsorgt, außer die Maske und die Gummistiefel, die werden desinfiziert. Nein, also es hat noch keiner gesagt, dass ich stinke, wenn ich nach Hause fahre. Bei Messie-Wohnungen habe ich allerdings schon öfter Geruch angenommen, aber natürlich nur bis zur Dusche, nicht durchgehend. Speziell ganz schlimme Kotgeschichten, die haften geruchsmäßig in den Haaren. Ich verwende aber keine speziellen Duschgels, das ich nicht notwendig.

 

Sie haben Familie, sprechen Sie mit Ihrer Tochter auch über Ihre Tätigkeit?

CK: Sie ist 14 Jahre alt, und sie ist interessiert. Natürlich fragt sie mich, aber ich erzähle ihr keine Details. Aber sie bekommt natürlich auch Telefonate mit, wenn ich wo hin gerufen werde. Dann stellt sie Fragen, und ich sage dann nur, ich muss zu einem Leichenfundort, Liegezeit drei Wochen, aber Fotos zeige ich ihr nicht. Das will sie zwar, aber das fände ich nicht gut. Das ist psychisch nicht gut für ein Kind. Ihre Mitschülerinnen, die Mütter ja eher uncool finden, finden meinen Job sehr cool.

 

Ist es vorgekommen, dass sich Freunde un Bekannte auf Grund Ihrer Tätigkeit von Ihnen abwenden?

CK: Das wäre mir nicht aufgefallen. Alle, die ich mag, reden noch mit mir, und der Rest ist mir egal.

 

Wem würden Sie ihren Beruf weiter empfehlen?

CK: Ich weiß nicht, schwierig zu sagen. Bei mir bewerben sich ständig Leute, angefangen vom Elektriker bis zum Buchhalter, weil sie glauben, das ist es jetzt. Aber diese Tätigkeit jemand zu empfehlen, ich weiß nicht. Man muss eine starke Psyche haben, geruchsunempfindlich sein, sehr belastbar sein. Ich glaube, man kann es nicht empfehlen, das muss man mögen, das muss man finden für sich.

 

Wie viel kostet eine Tatortreinigung?

CK: Ganz Unterschiedlich, das kann 700 Euro kosten, das kann auch ein horrender Preis sein, je nachdem, welche Arbeiten zu machen sind. Boden rausreißen, stemmen, ist es ein Haus, eine Wohnung, man kann das nicht pauschalieren. Auch hier ist es schwierig mit den Angehörigen über Preise zu reden.

 

Haben Sie Tipps, wie man mit der Emotion Ekel besser umgehen kann?

CK: Ich glaube einfach, unsere Gesellschaft ist allgemein ziemlich verweichlicht. Mich rufen ja sogar Leute, wegen einer stinkenden Biomülltonne an. Die können das selbstständig nicht mehr handlen. Und das ist keine Seltenheit. Aber Tipps, ich weiß nicht. Vielleicht einmal in der Woche an einem Hundehaufen riechen… [lacht].

Wenn etwas die Leute aus der Komfortzone bringt, dann rufen sie gleich wen an. Statt dass sie über ihren Schatten springen und sich sagen, heute schaff ich’s und spare mir obendrein Geld. Das sind ein paar Minuten Arbeit, die aber teuer sind, wenn man es so rechnet. Die Leute regen sich ja heutzutage schon auf, wenn der Bauer mit der Jauche aufs Feld fährt. Ich glaube, das wird nicht einfacher mit uns. Mit vielen von uns.